Smartphones – Genau in dieser einen Mobiltelefon-Kategorie, die sich in Zukunft ohne Zweifel immer stärker auftritt, kann der angeschlagene Mobilfunk-Gigant Nokia derzeit nicht einmal annähernd seinen Mitbewerbern das Wasser reichen. Zwar sieht es – betrachtet man die Verkaufszahlen isoliert – noch gar nicht so schlecht für den finnischen Konzern aus, technologisch geraten sie aber immer weiter ins Hintertreffen. Während HTC, Samsung und Co. im Akkordtempo Android-Geräte auf den Markt werfen und eines schneller, besser und weiterentwickelter ist als das andere, bewegt sich bei Nokia scheinbar nicht wirklich viel. Auch wenn es von offizieller Seite nicht zugegeben wird, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass in Finnland die Alarmglocken seit längerem schon im Dauerton läuten – irgendwann wird es nämlich nicht mehr ausreichen, resistive Touchscreen-Displays, schwache Prozessoren und ein unbedienbares Betriebssystem anzubieten und nur durch die Bekanntheit auf Erfolg zu hoffen. Genau aus jener Motivation wurde anscheinend das Nokia N8 geschaffen, dass sowohl dem iPhone als auch den Android-Geräten Paroli bieten können soll. Ich durfte das neue Flagship-Modell drei Wochen testen und mir eine Meinung über das Gerät bilden.

Erster Eindruck

Eines gleich vorweg, das N8 fühlt sich Spitzenklasse an. Die Außenschale des knapp 135g schweren Geräts besteht größtenteils aus eloxiertem Aluminium und sitzt bombenfest an seiner Stelle. Nichts knarzt, nichts wackelt – einzig den schwer austauschbaren Akku könnte man bekritteln. Dazu müssen nämlich erst zwei Schrauben gelöst werden. Der Sim-Karten-Einschub rutscht deswegen wie beim iPhone 4 auf die Seite. Ansonsten fühlt es sich genau wie ein Gerät an, auf das man tagein tagaus als Begleiter setzen kann. Auf den ersten Blick hat Nokia in dieser Disziplin nahezu alles richtig gemacht. Einzig das Design bzw. die Form des Gehäuses bleibt Geschmackssache. Mir sagt es weniger zu, da gefallen gerade Flächen à la iPhone 4 mehr.

Ausstattung

Auch bei der Ausstattung fehlt es Nokias Kraftpaket wenig. Integriertes WLAN, UMTS inklusive HSDPA und HSUPA für schnelleren Upload sowie GPS mit Kompass und Bluetooth 3.0. Ganze 16 GB Speicherplatz runden das Paket angenehm ab. Zur Übertragung von Video- und Audio-Daten gibt es sowohl einen 3,5 mm Klinken-Anschluss als auch einen echten HDMI-Port. Beim USB-Anschluss hat sich Nokia etwas besonderes einfallen lassen. Dieser unterstützt die “USB On-the-Go”-Spezifikation, wodurch das Smartphone eingeschränkte USB-Host-Funktionen übernehmen kann und so Daten von USB-Sticks oder Fotos von der Digitalkamera direkt auf das N8 überspielt werden können. Diese Funktion könnte sich beispielsweise im Urlaub als ziemlich praktisch erweisen. Auf der Rückseite des Geräts gibt es schließlich noch die obligatorische Kamera, die mit 12 Megapixel überaus hoch auflöst und zusätzlich noch mit einem Objektiv von Carl Zeiss ausgestattet ist. Im Außenbereich kommt sie allemal an Point-and-Shoot-Kameras heran, drinnen gibt es jedoch wie bei allen Smartphones deutliche Probleme mit dem Bildrauschen. HD-Videos können mit bis zu 720p in akzeptabler Qualität aufgenommen werden, was ein durchaus nettes Extra ist – vor allem, wenn die Videos dann direkt über den HDMI-Anschluss am Fernseher gezeigt werden können.

Hardware

Im Inneren des Nokia N8 werkelt ein ARM 11-Prozessor, der mit 680 MHz etwas niedrig getaktet ist. Konkurenzmodelle von HTC haben immerhin bereits die 1,5 GHz-Grenze erreicht. Auch die magere RAM-Ausstattung – es wurden lediglich 256 MB Arbeitsspeicher verbaut – verliert gegen die vergleichbaren Modelle der Mitbewerber. Apple hat dem iPhone 512 MB, HTC dem Desire HD 768 MB spendiert. Für ein Flagship-Modell ist Nokias Ambition in diesem Bereich eindeutig zu wenig. Im Bereich des Displays muss man den finnischen Mobilfunker jedoch loben, endlich wurde auf einen resistiven AMOLED-Touchscreen verzichtet und stattdesssen ein kapazitiver Screen verwendet. Leider gibt es auch hier ein Manko, das Display löst im Vergleich zu anderen Geräten relativ niedrig auf (640 * 360 Pixel)

Software

Obwohl mir das Nokia N8 als Gerät selbst gut gefällt, musste ich leider wieder einmal schmerzlich feststellen, wie sehr das Betriebssystem hinterher hinkt.  Wer Symbian kennt, wird mir zustimmen, dass es zwar grundlegend an fast keinen Funktionen fehlt, dennoch der Komfort und die Bedienfreundlichkeit deutlich auf der Strecke bleibt. Ich hatte eigentlich große Hoffnung in Symbian^3 gelegt, das das angestaubte Betriebssystem angeblich wieder auf Vorderman bringen sollte. Außer ein paar Usability-Verbesserungen, wie der Entfernung von den mühsamen “Zwischenklicks”, der Unterstützung von Multitouch und einem besseren Web-Standard-Support, habe ich diesbezüglich nicht viel entdeckt. Anscheinend gibt es jedoch viele Änderungen “unter der Haube”, die zugegeben äußerst wichtig für die Zukunft der Plattform sind, sich jedoch NOCH nicht direkt  für den Nutzer bemerkbar machen. Ich hoffe, dass Nokia hier eine gute Grundlage für Symbian^4 erarbeitet hat und mit der nächsten Version auch die Änderungen auf Nutzerebene Einzug halten. Das Symbian^4-Update sollen übrigens alle Symbian^3-Geräte – eine sehr löbliche Geste.

Derzeit sind im 1 zu 1 Vergleich mit iOS oder Android aber noch Welten zwischen den Systemen. Das einzige, was mir softwaremäßig am N8 richtig gut gefällt, ist der Startbildschirm. Dieser gliedert sich in rechteckige Widgets, die sich nach Belieben anpassen und austauschen lassen. Dazu gehören beispielsweise eine Kontakt-Schnellauswahl, ein Facebook-Widget, eine E-Mail Ansicht oder eine Musiksteuerung. Alles Weitere kennt man schon von früheren Symbian-Smartphones und ist quasi Standardware. Positiv aufgefallen sind mir die Nokia Ovi-Internetdienste, die im Gegensatz zu Konkurenz-Handhelds richtig punkten können. Im Ovi Store werden ähnlich dem App Store downloadbare Apps angeboten. Der Online-Marktplatz enthält laut Nokia bereits mehrere tausend Programme und wächst täglich weiter. Ein anderer toller Service ist Ovi Maps, der kostenlos als vollständiger Navigations-Dienst verwendet werden kann. Dazu wird aktuelles Kartenmaterial entweder direkt aus dem Internet geladen oder für Auslandsreisen offline auf dem Gerät gespeichert. Auch die Integration der Social-Networks auf Systemebene ist ein Schritt in die richtige Richtung, könnte jedoch noch besser umgesetzt werden. Egal welche Punkte man in den verschachtelten Menüstrukturen sucht, man kommt selten direkt an’s Ziel. Viel öfters sucht man verwirrt nach Anhaltspunkten, wo sich die gewünschte Funktion verstecken könnte. Hier sollte Nokia endlich Altlasten über Board werfen und das gesamte System in der zukünftigen Version komplett neu strukturieren und aufräumen.

Fazit

Das größte Manko am Nokia N8 ist eindeutig das Betriebssystem Symbian^3, das noch immer nicht an die Konkurenz-Systeme herankommt. Das Gerät an sich ist wirklich ausgezeichnet verarbeitet und auch über die geringere Hardware-Ausstattung kann man hinwegsehen, weil alles trotzdem flüssig läuft und auch bei intensivem Multi-Tasking traten keine Performance-Probleme auf. Irgendwie ist es schade, dass Symbian eine Generation zurückhinkt. Ansonsten könnte man das Gerät nämlich bedingungslos weiterempfehlen. Hoffen wir, dass sich in Zukunft hier einiges tut!

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