Letzte Woche hat mich eine ziemlich schwere Grippe erwischt. Tagelang hat mich hohes Fieber ans Bett gefesselt und mir bleibt nichts anderes übrig als vor mich hin zu vegetieren. Wäre das nicht schon anstrengend genug, konnten sich Bakterien aufgrund des stark geschwächten Immunsystems im Mundraum festsetzen. Das Resultat war eine Entzündung, die sich gewaschen hat: Geschwollenes Zahnfleisch, entzündete Zunge und mehrere offene Stellen. Trinken konnte ich nur mehr Wasser. Essen, nur breiförmige Speisen, weil ich wegen der Schmerzen nichts kauen konnte. Jegliche reizende Flüssigkeiten und Speisen mit Säure waren Tabu. Aber auch zu warme beziehungsweise heiße Nahrung hatte das Potenzial mir die Tränen in die Augen zu treiben. Saft? Geht nicht. Obstbrei? Schmerzhaft. Warme/Heiße Suppe? Unmöglich. Alles was gekaut werden muss? Aua.

Was bleibt dann noch übrig, damit man nicht verhungert und verdurstet? Den Flüssigkeitsteil hat größtenteils Wasser übernommen. Das war das geringste Problem, weil ich sonst auch hauptsächlich nur Wasser trinke. Größere Sorgen machte mir das Essen. Nach viel Probieren und vielen (!) Schmerzen war Kartoffelpüree die beste Alternative. Aber auch Pudding war einigermaßen akzeptabel. Und dann gab es noch diese hochkalorische Trinknahrung aus der Apotheke. Sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz her nicht wirklich spannende Dinge. Vor allem wenn es für 4-5 Tage das einzige ist, was man zu sich nimmt. Meine Situation brachte mich in Gedanken auf Soylent (Wiki) zurück. Ein Getränk, das alle Nährstoffe enthält, die der Körper tagtäglich braucht. Man muss sich also jeden Tag eine bestimmte Menge Pulver mit Wasser mischen und diese Flüssigkeit dann über den Tag verteilt trinken.

Soylent hätte mir zwar einiges erleichtert, aber das grundlegende Problem hätte es nicht gelöst. Nämlich, dass ich einfach gerne esse und koche. Und, dass mir die Vielfalt und verschiedenen Geschmacksvarianten schon nach 1-2 Tagen fehlte. Die Welt hat so viele unterschiedliche Aromen und Geschmacksstoffe zu bieten und diese gehen unserem Körper (zumindest meinem) schnell ab, wenn wir uns ein paar Tage nur noch von nichtsschmeckendem Brei ernähren. Aber auch der soziale Effekt kommt zu kurz. Frühstück, Mittag- und Abendessen sind häufig Zeiten, wo man sich mit Leuten trifft oder mit der Familie gemeinsam am Tisch sitzt. Trinkt aber jeder seine eigens zubereitete Soylent-Flasche den ganzen lieben langen Tag, fällt die soziale Komponente ebenfalls weg. Bei mir hat allein schon gereicht, dass das Essen für mich kein Spaß mehr war (weil meines eben nach nichts  geschmeckt hat). Das gemeinsame Mittag- und Abendessen wurde verschmäht, während die anderen auf dem Tisch zusammen gegessen haben.

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass sich Produkte wie Soylent nicht durchsetzen können. Auch wenn es einzelne Leute gibt, die damit monatelang ohne richtiges Essen „überlebt“ haben. Wenn man Essen bisher nur als „lästiges“ Mittel zum Zweck gesehen hat um nicht zu verhungern, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass Soylent funktioniert. Für mich scheint die Rechnung aber nicht aufzugehen. Dafür esse und koche ich viel zu gerne und mag die Kombination von verschiedenen Geschmacksrichtungen, Gewürzen und Konsistenzen in meinem Mund spüren. Ohne all das vermisse ich einen Teil von meinem Leben.  Zumindest habe ich das während meines  ungewollten Experiments so erlebt.

 

Wie denkt ihr darüber? Könntet ihr ohne richtiges Essen zufrieden „überleben“?

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