Vergangene Woche habe ich für ein Projekt auf der Uni mehrere Wearable-Produkte miteinander verglichen. Da die üblichen Verdächtigen (wie Fitbit, Apple Watch, Google Glass, usw.) für den Vergleich im Vorhinein ausgeschlossen wurden, machte ich mich auf die Suche nach neuen Produkten und kam immer wieder auf Kickstarter. Dabei fiel mir eines auf: Eine erschreckend große Anzahl der Produkte schaffte es nie auf den Markt und viele Kampagnen-Pages auf waren gefüllt mit Entschuldigungen, Verzögerungen, zornigen Backern und schlussendlich Meldungen über Konkurse und unerfüllte Versprechen.

Und genau das ist auch mein Problem mit Kickstarter. Ich hatte vor ein bis zwei Jahren eine ziemlich aktive Kickstarter-Phase, in der ich begeisterter Backer war. Klar, im Hinterkopf hat immer die Unsicherheit mitgespielt, dass ein Projekt nicht klappen kann und man im schlimmsten Fall nichts davon sieht. Aber gut gemachte, Vertrauen erweckende Produktvideos und scheinbar seriöse Auftritte verleiten schnell zum Kauf. Vor allem, weil man unter Zeitdruck gesetzt wird um noch einen begehrten Early-Bird Preis zu erhalten. Über die Jahre hinweg habe ich über 700 Dollar in 10 Projekte investiert. Ich habe nur 1-2 Projekte im geplanten Zeitrahmen bekommen, die längste Verzögerung war über ein Jahr und bei einigen Projekten sah es zwischenzeitlich gar nicht gut aus. Einen Totalausfall gab es glücklicherweise jedoch nicht.

Dennoch habe ich in letzter Zeit aufgehört, in Kickstarter Projekte zu investieren. Nicht, weil ich keine spannenden Projekte mehr finde, sondern weil ich Angst habe, dass ich 50, 100 oder 200 € beim Fenster raus werfe. Den Ausschlag dafür hat wohl Zano gegeben, in das ich ganz ganz ganz knapp nicht investiert habe und, das im Herbst den Abbruch des Projekts bekannt gegeben hat.

Ich finde Kickstarter macht einen großen Fehler, dieses Risiko so wenig zu kommunizieren. Will man ein Projekt unterstützen, gibt es neben einer Risiko-Sektion auf der Kampagnen Page, einzig diesen kleinen Infotext und einen Link zur Rechenschaftspflicht am seitlichen Rand:

Kickstarter kann weder dafür garantieren, dass Projekte durchgeführt werden, noch überprüfen, ob ein Projektgründer zur Vollendung seines Projekts in der Lage ist. Die Verantwortung dafür, das Projekt wie versprochen durchzuführen, liegt beim Projektgründer. Die Aussagen zum Projekt stammen vom Projektgründer alleine.

Jetzt möchte man meinen, dass hier alles steht, was man wissen muss und daraus eigentlich erkenntlich ist, dass man im schlimmsten Fall alles verliert. Aber das lasse ich nicht durchgehen. Gerade Leute, die nicht in der Materie sind, lassen sich durch die professionelle Aufmachung schnell verführen. Zusätzlich berichten seriöse Nachrichtenportale über ein cooles Projekt und es könnte schnell der Eindruck entstehen, dass Kickstarter gar ein „normaler Onlineshop“ ist.

Die Realität sieht aber so aus, dass man als Kickstarter Backer sehr risikoaffin sein sollte. Für eine Entscheidung bräuchte man mehr Informationen, als die meisten Kampagnen zur Verfügung stellen. Und natürlich auch das Wissen, diese richtig einzuschätzen und auszuwerten. Man müsste das Marktumfeld einschätzen können, technische Expertise haben (ist das Produkt überhaupt technisch machbar?), produktionstechnisches bzw. logistisches Wissen haben und schließlich den Leuten vertrauen können. Doch kann man das?

Mittlerweile glaube ich, dass Crowdfunding im Hardware/Produktions-Bereich nicht funktionieren kann. Wie Tony Fadell schon sagte: „There is a reason they call it hardware – it is hard“. Gründer und Startups wären diesbezüglich bei Risikokapitalgebern besser aufgehoben, die dann im besten Fall durch ihre eigene Expertise oder ihr Netzwerk weiterhelfen können. Kickstarter gibt den Projekten einen großen Push und viel Aufmerksamkeit, aber verschleiert gleichzeitig die Tatsache, dass Backer selten die notwendigen Informationen des (Jung-)Unternehmens bekommen, um das Angebot richtig zu bewerten. Und selbst wenn, könnten wahrscheinlich die wenigsten etwas damit anfangen.

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