Smartphones und Outdoor, diese zwei Begriffe passen ungefähr so gut zusammen wie Greenpeace und in Ruhe entlang der Mariahilferstraße zu spazieren. Klar, große und vor allem empfindliche Displays, teure Multi-Core Prozessoren und edles Design haben in Outdoor-Handys eigentlich nichts verloren. Die Geräte werden per Definition für’s Nasswerden, für’s Runterwerfen und das herumliegen im Dreck konstruiert. Smartphones auf der anderen Seite sind wirklich alles andere als nass-, stoß- und staubfeste Begleiter. Was sich mancher iPhone-Besitzer mit zersplitterter Rückseite vielleicht in einem Gedankenexperiment ersehnt hat, wurde von Sony jetzt herausgebracht. Ein schickes Smartphone, das so beständig sein soll, dass man es problemlos auf der Straße fallen lassen kann, dem auch ein kurzer Abstecher in den Pool nichts ausmacht und das beim Beachvolleyball spielen ruhig mal im Sand herumliegen kann. Alles Sachen nach denen ein iPhone wahrscheinlich einen Besuch im Reparatur-Shop nötig hat.

Kurz vor dem Summercamp in Ungarn durfte ich mir mein Testexemplar von A1 abholen und schauen, ob das Sony Xperia Go das hält, was die beigepackte Presseaussendung verspricht. Als netter Gag hat A1 nämlich im Vorfeld schon seine Facebook-Community gefragt, welche Blödsinnigkeiten sie mit dem „Uber-Smartphone“ anstellen würden. Herausgekommen sind beispielsweise so Sachen wie Handy-Plattln.

Was am Xperia Go sofort auffällt ist, dass es nicht wie ein klassisches Outdoor-Handy aussieht. Keine Zentimeter dicken Gummihüllen und Monochrom-Displays sondern ein 3,5 Zoll Touchscreen auf der Vorderseite und eine schicke, matt-griffige Kunststoffhülle auf der Rückseite. Dazu ist das Smartphone dünn, klein und handlich. Rein vom Äußeren sieht man dem Xperia Go sein Outdoor-Talent bis auf die Abdeckungen vor den USB- und Kopfhörer-Ports eigentlich nicht an. Das liegt daran, dass die Kunststoff-Hülle nur als ein zusätzlicher Schutz für Staub und physische Einwirkungen gesehen werden kann. Der richtige Wasserschutz befindet sich darunter. Alle Komponenten sind fest verschraubt und bereits im Inneren des Handys gegen Wasser-Einwirkungen abgesichert.

Wasser kann also schon theoretisch in die obere Schutzschicht, kommt dann aber nicht mehr weiter ins Innere. Im Test ist mir das sogar passiert. Wenn Wasser also zwischen die Plastik-Hülle kommt, das Cover am besten abnehmen damit es trocknen kann. Das Display auf der Vorderseite ist besonders Kratzfest und hat ebenfalls im Test seine Fähigkeiten bestätigen können. Trotz intensivem Gebrauch (dazu später mehr), hat das Testobjekt keine bleibenden Schäden und Spuren erlitten. Eines steht jedoch fest, ein Smartphone-Testbericht hat selten so viel Spaß gemacht ;-)

Zuerst aber noch ein wenig zu den inneren Werten. Sony setzt im Xperia Go einen 1 GHz Dual Core ARM Cortex A9 zusammen mit 512 MB-Arbeitsspeicher ein. Das Display hat leider nur eine Auflösung von 480 x 320 Pixeln ist aber dennoch sehr kontrastreich. Die relativ niedrige Auflösung im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones ist leider etwas ärgerlich. Die Fotos der 5 MP-Kamera kommen zum Beispiel erst auf dem Computer-Monitor so richtig zur Geltung. Auch was die Android-Version betrifft, erleidet das Xperia Go ein ähnliches Schicksal wie viele Geräte auf dem Markt. Derzeit ist nur Android 2.3.7 installiert. Ob und wann ein Update auf Version 4.1 zu Verfügung steht, ist leider nicht bekannt. Erfahrungsgemäß würde ich mir diesbezüglich aber keine all zu großen Hoffnungen machen.

Obwohl die Hardware nicht in der Smartphone-Top-Liga mitspielt, muss man sich immer vor Augen halten, dass wir hier von einem Outdoor-Handy reden. Und zwar eines, dass in dieser Kategorie seinem Namen alle Ehre macht. Deswegen sollte man/darf man auch nicht so pingelig mit den Komponenten sein – irgend einen Kompromiss muss man schließlich machen. Jetzt aber zum interessanten Teil der Testphase. Wie bereits weiter oben erwähnt, war die erste Bewährungsprobe eine Woche in Ungarn auf dem Socialisten Summercamp. Zehn technikbegeisterte Leute für eine Woche in einer Villa samt Pool mussten überstanden werden. Nach einem vorsichtigen ersten Kontakt mit dem nassen Terrain (mein Kopf kann sich bis heute nicht damit anfreunden, ein High-Tech-Gerät in Wasser zu tauchen), war das Eis schnell gebrochen und das Xperia Go wurde auch schon quer durch den Pool geplattlt.

Einmal hüpfte es so am Wasser entlang, dass es aus dem Pool und quer über den Steinboden flog – ein wahrer Kunstwurf für den gemeinen Meister-Plattler ;-). Für das Xperia Go jedoch kein Problem. Nachdem uns relativ schnell die Plattl-Freude verlassen hat, kam der Gedanke, dass Unterwasserfotos doch eigentlich ziemlich cool wären. Leichter gesagt als getan. Denn obwohl das kapazitive Display mit ein wenig Wasser funktioniert, versagt es (naturgemäß) Unterwasser den Dienst und einen Shutter-Button sucht man auf dem Gerät leider vergebens. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Einfach den Selbstauslöser oberhalb der Wasseroberfläche aktivieren und das Handy von allein auslösen lassen. Dann klappt’s auch mit den Unterwasser-Fotos (und Videos).

Und: Tea-Time. Ich hab mich leider angeschüttet, deswegen schauen die zwei anderen so empört! ;-)

Auch Handy-Zuwerfen hat es ohne Probleme sowohl im Trockenen als auch im Nassen überlebt. Der ein oder andere Aufprall auf der Wiese und im Dreck war da natürlich dabei.

Zurück in Wien habe ich das Xperia Go ein letztes mal durch den Museumsquartier Erlebnis-Wanderpfad getrieben. Angefangen hat der beim Brunnen, wo noch einmal eine kurze Bade-Session am Plan gestanden ist. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie die Leute lustig, verwirrt und verdutzt schauen, wenn man ein Smartphone absichtlich ins Wasser wirft.

Auf dem Foto sieht man die wasserabweisende Oberfläche des Displays gut. Es sieht ein wenig so aus wie in den Putzmittel-Dauerwerbesendungen, wo dem Zuseher die abperlende Wirkung angepriesen wird – nur das es hier wirklich stimmt ;-)

Weiter geht’s mit dem Boule-Platz neben der Aloha-Bar. Hier hat das Handy Bekanntschaft mit spitzen Steinen und Staub gemacht. Ich habe es sprichwörtlich unter den Steinen begraben und auch ein wenig Druck darauf ausgeübt.

Das konnten weder dem Display noch der Rückseite etwas anhaben. Bis auf den Dreck, den man ja bekanntlich abwaschen kann, waren keine Beschädigungen sichtbar.

Das Sony Xperia Go ist wirklich ein Begleiter für jegliche Outdoor-Aktivitäten und mehr. Nachdem das Handy sogar einigermaßen schick aussieht, kann man es ohne Probleme auch im normalen Gebrauch mitnehmen, ohne wie ein Außerirdischer auf der Straße angeschaut zu werden. Es ist nach ISO 67 zertifiziert und hält damit jeglichem Staub und Tauchgänge bis zu einem Meter für 30 Minuten stand. Das hat es im Test bewiesen und sogar darüber hinaus mehr ausgehalten. Wenn man das Handy wirklich besitzt, sollte man sowieso versuchen, dass solche Zustände am besten gar nicht vorkommen. Passiert es aber dann doch mal, ist das Xperia Go bestens dafür gerüstet. Den Preis den man dafür Zahlen muss ist neben 279 Euro Kaufpreis auch, dass man den ein oder anderen Abstrich bei Hard- und Software machen muss. Dafür bekommt man aber ein äußerst robustes und zugleich schickes Smartphone.

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