Unroll.Me is a free service

So steht es auf der Startseite des Webdienstes, der uns vor unerwünschten Werbemails und Newsletter-Abos bewahren will. Unroll.me wurde vor ein paar Jahren auf einen Schlag populär. Wie viele andere habe ich mich damals auch angemeldet, ohne darüber nachzudenken, wie das Geschäftsmodell dahinter eigentlich funktioniert. Seitdem war der Dienst dafür zuständig, meine private Allzweck-Gmail-Adresse vor nervigen Mails zu schützen. Und das hat eigentlich gut funktioniert. Statt mich selbst von dem Newslettern abzumelden, hat Unroll.Me die betreffenden Mails gelöscht. Eine reine Bequemlichkeits-Sache, weil ich selbst zu faul bin meine Mails zu verwalten und mich von Newslettern abzumelden. Und gratis war es auch. Oder?

Zumindest hat es kein Geld gekostet. Denn wie überall gilt auch im Internet der Grundsatz„There is no such thing as a free lunch“. Wachgerüttelt hat mich der Artikel über Uber. Aber nicht, dass Uber Unique-Device-Identifier nutzt, sondern dass Uber Daten von Unroll.Me gekauft hat, um sich einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern zu verschaffen. Unroll.Me verlangt von den Usern kein Geld, weil es sich dafür Zugang zu den Mails seiner User genehmigt und diese Daten anonymisiert an seine Kunden verkauft. Richtig, wir sind damit nicht die Kunden von Unroll.Me. Wir User sind das Produkt, das sie verkaufen. Die eigentlichen Kunden sind andere Unternehmen, die unsere Daten von dem Dienst kaufen. Es geht hier zum Beispiel um Rechnungs-Mails, Bestellbestätigungen und Flugbuchungen, aus denen man  als Unternehmen anscheinend viel Wert generieren kann.

Zum Vergleich können wir uns CleanEmail anschauen. Ein Dienst, der auf den ersten Blick das Gleiche wie Unroll.Me macht. Mit einem großen „Aber“. Denn bei CleanEmail sind wir User die Kunden. Nicht das Produkt:

Here at CleanEmail, we are committed to your security and privacy. In short: we don’t keep, sell, or analyze your data for the purposes beyond our public features.

Und das kommt eben mit einem Preis: 7.99 Euro im Monat kostet es, dass unser Postfach von unerwünschten Mails befreit wird. Anhand dieser zwei Dienste kann man den Unterschied zwischen zwei populären Geschäftsmodellen im Internet gut erkennen. Und es zeigt, dass man bei kostenlosen Diensten lieber zweimal nachdenken sollte bevor man auf den Anmelden-Link klickt.

Mein Account bei Unroll.Me ist seit gestern jedenfalls gelöscht.

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