Die spannendste Vorstellung von Samsung  auf der diesjährigen IFA war für mich SleepSense – ein Schlafsensor, der die Schlafqualität misst und die Informationen über Samsungs Internet of Things Plattform an verbundene Geräte überträgt. Jetzt möge man meinen: Schlaf-Sensoren? Gibts das nicht schon? Klar. Man kennt man solche Sachen bereits von Fitness-Trackern wie Fitbit oder diversen Smartwatches. Das Herausragende von Samsungs Lösung ist jedoch die Technik dahinter. Denn Samsung misst die Vitalzeichen nicht über ein Armband am Körper, sondern mit einem flachen Gerät, das direkt unter die Matratze gelegt wird.

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Puls, Atemfrequenz und Bewegung werden ohne direkten Körperkontakt gemessen – und das mit einer angeblichen Genauigkeit von 97 %. Doch wie soll das funktionieren? Wie soll ein Sensor unter der Matratze meinen Puls messen können, wenn das oft nicht einmal Smartwatches direkt am Körper richtig hinbekommen? Das habe ich mich auch gefragt und mich auf die Suche nach Antworten gemacht. Zu allererst direkt bei Samsung, aber richtig viel habe ich diesbezüglich nicht in Erfahrung bringen können. Auch die Presseaussendung und Informationen auf der IFA selbst geben keine Rückschlüsse über die Technologie.

Bis ich auf ein Wort namens EarlySense gestoßen bin.

Es stellte sich nämlich schnell heraus, dass EarlySense keine Technologie von Samsung ist, sondern ein Unternehmen für Medizintechnik in Massachusetts, USA. In dieses hat Samsung Anfang des Jahres 20 Millionen investiert und genau dieses bildet die technologischen Grundlage für SleepSense. Denn EarlySense ist auch der Grund, warum sich Samsung bei der Genauigkeit der Messungen so sicher ist. Im Jahr 2010 hat EarlySense die Genehmigung der FDA (US-amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde) für Patientenüberwachung erhalten. Die Technologie ist seitdem eine Schlüsseltechnologie für die Erreichung der amerikanischen „Joint Commission National Patient Safety Goals, 2010″ und wird für die kontinuierliche Überwachung von Vitalzeichen im Gesundheitswesen eingesetzt. Und genau diese Technologie hält nun mit SleepSense Einzug in die heimischen Schlafzimmer.

Aber wie funktioniert EarlySense?

Das Gerät unter der Matratze misst die Piezoelektrizität, also die „Änderung der elektrischen Polarisation und somit das Auftreten einer elektrischen Spannung an Festkörpern, wenn sie elastisch verformt werden“ (siehe hier).

Auf den Sensor wirken Kräfte von drei verschiedenen Quellen: Die generellen Bewegungen des Körpers, die Bewegung des Brustkorbs bei der Atmung und der Rückstoß (ballistische Kraft) des Körpers aufgrund des Pulses. Letzterer Effekt ist der gleiche, der bei einer Ballistokardiographie gemessen wird. Bei jedem Herzschlag wird Blut durch unsere Gefäße befördert. Die schnelle, plötzliche Beschleunigung des Blutes beim Herzschlag erzeugt ähnlich wie bei einem Gewehrschuss einen Rückstoß bei dem der menschliche Körper in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt wird. Natürlich ist diese Beschleunigung sehr gering (wenige Tausendstel der Schwerkraft), der EarlySense-Sensor kann jedoch genau diese Kraft  erkennen und daraus den Pulsschlag ermitteln. Aus den Daten der drei Quellen werden dann Bewegung, Atemfrequenz und Pulsfrequenz errechnet und diese dienen zur Beurteilung der Vitalzeichen und der Schlafqualität.

Und das ist nicht  nur für mich als Life-Analytics Nerd äußerst spannend und interessant, sondern auch für Familien, die sichergehen wollen, dass es ihren Liebsten jederzeit gut geht. Durch permanente Überwachung der drei Vitalzeichen lassen sich nämlich viele Gesundheitsprobleme früh erkennen – Sogar so früh, bevor sie noch kritisch werden. Das ist auch der Grund, warum diese Technik in den USA eingesetzt wird: Die früherkannten Warnzeichen, die bis zu 6 bis 8 Stunden vorher auftreten können, vermindern die Sterblichkeit bei kritischen Zuständen um 75%.

EarlySense ist deswegen für mich eine wirklich beeindruckende Technologie und zeigt, dass wir noch weit weg davon sind, alle Vorgänge in unserem Körper zu verstehen. Was dank Kontaktlosigkeit und der Matratze dazwischen magisch wirkt, ist ein ganz einfacher physikalischer Prozess im Körper. Man braucht nur fortgeschrittene Technologie und sehr genaue Sensoren um diese messen zu können.

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Einziges Problem: Leider gibt es für SleepSense in Österreich noch keinen genauen Verkaufstermin. 2016 ist aber ein guter Tipp.

 

Disclaimer: Die Pressereise zur IFA nach Berlin wurde von Samsung Österreich finanziert.

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