Am Donnerstag vor zwei Wochen lud die österreichische Buzz-Marketing-Agentur Ambuzzador zur zweiten Ausgabe der buzzattack. Während sich letztes Jahr alles um das Thema Digitale Reputation drehte, stand dieses Mal die Social Brand im Mittelpunkt. Für alle, denen das Thema noch neu war, hatte Sabine Hoffmann, CEO von Ambuzzador, beim Einstieg auch gleich ihre eigene Definition parat: Die Social Brand ist eine Marke, die nach innen und außen partizipativ agiert und diese Philosophie auch im ganzen Unternehmen und in allen Hierarchien lebt. Transparente Markenführung an allen Berührungspunkten des Unternehmens und authentische (digitale) Kommunikation mit allen Stakeholdern formen die soziale Marke. Ein interessantes Thema, nicht umsonst setzt Ambuzzador seit dem Jahr 2010 den Fokus auf das sogenannte Social Branding.

Die Organisation des eintätigen Events war ziemlich straff geplant und in vier Panels mit je 4-5 Talks/Diskussionsrunden aufgeteilt. Da eine Zusammenfassung von jedem Talk den Umfang dieses Artikels sprengen würde und die Videos der Vorträge sowieso bald auf Ambuzzador.com zu sehen sind, beschäftige ich mich pro Panel mit dem für mich interessantesten/wichtigsten Tonic:

Der Tag startete mit dem ersten Panel Social PR und Krisenkommunikation, das den „Shitstorm“ zum vorherrschenden Thema machte. Allem voran das MQ – wo die buzzattack zu Gast war – und der WWF Deutschland hatten letztes Jahr mit einer Social Media-Krise zu kämpfen. Tausende Postings, Bashing und Beleidigungen prasselten auf die Pinnwände und Social Media-Kanäle der beiden Organisationen ein. Nur wie bringt man den Shitstorm unter Kontrolle und wird wieder selbst Herr der Dinge? Paula Hannemann (WWF) und Alina Lauchart (MQ) berichteten von ihrer Sicht, wie man die nicht enden wollende Krise bewältigt. „Moderieren, nicht diskutieren“, auf keinen Fall selbst in die Diskussion einsteigen. Gegen die Masse ist man immer der Verlierer. Besser eine offizielle Stellungnahme verfassen und sie dem Mob kommunizieren. Eine gute Idee ist es außerdem, diese Stellungnahme auf der Landingpage anzuzeigen und Besucher, die sich später erst in den Shitstorm einklinken, auf diese Weise abzufangen.

Bei den Meisten Unternehmen gibt es sehr wohl einen Krisenplan, für den Fall der Fälle. Der Social Media-Krisenplan schlummert jedoch nur bei den wenigsten Unternehmen in der Schublade. Die wichtigste Aussage diesbezüglich: Man muss sich im Vorhinein auf eine Krise vorbereiten: Tools/Monitoring Testen, Zeitplanung der Mitarbeiter und genaues Briefing sind wichtig, damit alle am gleichen Strang ziehen. Vorbereitung ist einer der wichtigsten Aspekte zur Bewältigung.

Panel Nummer zwei kümmerte sich ganz um das Thema Community Management. Charlotte Hager von comrecon präsentierte eine Studie in Zusammenarbeit mit Ambuzzador über Nutzertypologien und Marken in Facebook. Im Ergebnis werden vier unterschiedliche Nutzertypen festgelegt. Die Claqueure bilden 2 – 5 % der Fanbase einer Marke. Sie bauen mit Facebook Beziehungen auf und wollen diese vertiefen. Wenn sie eine Marke mit einem Like unterstützen, dann verteidigen sie diese auch. Die Aktivisten sorgen für die Buzz-Breite. Sie wollen nichts verpassen, wollen kommentieren und liken, und stehen auch zu ihrer Aktivität. 5 – 10 % der Nutzerschaft kann man in diese Kategorie einteilen. Auf der anderen Seite sorgen die Statisten für die Buzz-Tiefe. Sie liken nur, wenn sie sich mit der Marke auch identifizieren können und dies auch offen zeigen möchten. 30 % einer Facebook-Page gehören ungefähr in diese Kategorie. Zu guter Letzt gibt es noch die Späher. Sie beobachten die Marken und ihre Freunde lieber und machen 60 % der Nutzerschaft einer Fanpage aus. Wichtig ist, dass man einen guten Mix aus allen Kategorien auf seiner Page unterbringt. Eine authentische Kommunikation und ein gute Auswahl an verschiedenen Aktivitäten sorgt für ein gutes Mischverhältnis.

Nach einer wohlverdienten Mittagspause und ausreichend neuer Energie durch die Red Bull Special Editions ging es weiter mit „Geschichten-Erzählen“. Besonders mitreißend war der Vortrag von Christian Stegmann, der bei Innocent als Marketing Manager in Europa und Deutschland zuständig ist. Vielleicht habt ihr ja schon einmal etwas vom „Großen Stricken“ gehört – einer genialen Aktion des Smoothie Herstellers, begleitet von einer Social Media-Kampagne, die in den einzelnen Ländern von heimischen Lebensmittelketten unterstützt wird. Jederman kann für einen guten Zweck eine Mütze für die armen Smoothie Fläschchen im Kühlregal stricken und an Innocent einschicken, die dann den Smoothies eine warme Kopfbedeckung aufsetzen. Pro verkaufter Flasche mit Mütze geht eine Spende an die Caritas. Das dies einen Hype auslöst, zeigen rund 55.000 Mützchen, die letztes Jahr eingesendet wurden. Dieses Jahr wird mit 80.000 gerechnet. Der Vortrag wusste mit der lustigen Idee und mitreißenden Videos zu überzeugen und zeigt, dass man nur ein paar richtige Gedanken haben muss, um eine virale Kampagne zu starten.

Das letzte Panel war wohl jenes, auf das alle Teilnehmer gewartet haben. Keiner konnte sich bisher unter dem groß angekündigten #RamonWOW etwas vorstellen, das Ramon DeLeon kurz nach der Einleitung in den Räumlichkeiten des Museumsquartiers verbreiten wird. Das „Social Media-Maskottchen“ der amerikanischen Pizza-Kette Domino’s versteht es, mit seinen Vorträgen zu begeistern. Wer bis zu dem Zeitpunkt noch zu wenig Koffein erwischt hatte, wurde mit #RamonWOWs „visual caffeine“ umgehauen. Ramon antwortet seinen Kunden Tag und Nacht auf Twitter und Facebook, löst Probleme und kommuniziert alle möglichen Angebote. Egal worüber Leute mit Ramon twittern, er hat immer die passende Antwort parat. Seine Devise: „Keep the conversation alive“.

Angefangen hat alles mit der Lieferung einer Pizzabestellung während eines Blizzards. Ramon hat die Lieferung gefilmt und online gestellt – Retweets und Antworten ließen naturgemäß nicht lange auf sich warten. Er verkauft 10 Pizzen um 10 Dollar. Damit lässt sich zwar direkt kein Gewinn erzielen, aber diese 10 Pizzen erzeugen Gesprächsstoff, erzeugen Tweets und erzeugen positive Stimmung – immer versehen mit dem #RamonWOW-Hashtag.

#RamonWOW hat sich auf diese Weise in Chicago zu einem waschechten Social Media-Phänomen gemausert. Leute posten Fotos mit Domino’s Pizzaboten, führen Kunststücke mit leeren Domino’s Pizzaschachteln auf und stellen die Fotos online oder fühlen sich schuldig, wenn sie wo anders als bei Domino’s essen. Den erzeugten Buzz nutzt Ramon für sein Geschäft und ist in der Region in und rund um Chicago äußerst erfolgreich. Für Ramon ist die Facebook Wall eines der wichtigsten Dinge im Social Media-Marketing. Wenn es einem gelingt auf die Wall von Kunden zu kommen und von Kunden oft genug erwähnt zu werden, hat man es geschafft und wird erfolgreich sein. Am besten ihr schaut euch gleich den Mittschnitt von der buzzattack an und erlebt das #RamonWOW selbst:

http://www.youtube.com/watch?v=VP8rBc-BKwQ&feature=player_embedded

Nach dem letzten Panel war es Zeit für einen kleinen Aftershow-Umtrunk mit Ambuzzardor-gebrandetem Stiegl-Bier und Martini Royal. An dieser Stelle wird es dann Zeit für ein Fazit zur buzzattack: Während das erste Panel der buzzattack leider ein wenig enttäuschend war, wurden die Vorträge zum Schluss hin kontinuierlich stärker und interessanter und den Höhepunkt erreichte eindeutig Ramon DeLeon. Ich glaube es gab niemandem im Raum, der nicht von seiner Präsentation mitgerissen wurde und begeistert war – das merkte man auch am Applaus am Schluss. Die buzzattack war eine interessante Veranstaltung und man konnte einiges dabei lernen und mit nach Hause nehmen. Leider war die Zeit für’s Networking ein wenig zu kurz und das Programm zu dicht organisiert. Ein paar mehr Pausen und weniger Vorträge würden dem Ganzen gut tun. Cool war außerdem die Kooperation mit reallifeconnect. Jeder Besucher bekam bei der Anmeldung eine Karte mit RFID-Chip, die man mit seinem Facbeook-Konto verbinden konnte. An bestimmten Stationen war es dann möglich, die Karte auf den Sensor zu halten und damit bei der buzzattack einzuchecken oder ein Foto direkt auf die Ambuzzador-Fanpage zu posten. Vor allem das Foto-Knipsen war ein großer Spaß – wie man am Fotoalbum sehen kann :)

[Fotos by Jürgen Hammerschmid]