Auf der Nokia World in London leitete der finnische Mobiltelefonie-Konzern vor zwei Wochen eine neue Ära für die Nokia Highend-Smartphones ein. Zukünftig soll als Betriebssystem nicht mehr eine Eigenentwicklungen zum Einsatz kommen, sondern das neue Windows Phone 7.5 von Microsoft. In den vergangenen vier Wochen hatte ich die Gelegenheit eines der letzten Symbian Smartphones – Das Nokia 701 – zu testen, das als eines der ersten Smartphones bereits mit Symbian Belle ausgeliefert wird. Belle bügelt noch einmal einige Probleme der Symbian-Plattform aus und das System wird um viel benutzbarer. Außerdem hat es erstmals einen NFC-Chip an Board, mit dem die drahtlose Kommunikation vereinfacht werden soll.

Obwohl das Nokia 701 mit keinem auffälligen Design heraussticht, kann es mit seiner schlichten Form überzeugen. Das handliche Gerät liegt gut in der Hand und vor allem kleinere Hände werden eine Freude damit haben. Wenn man sich die derzeitige Marktentwicklung mit scheinbar immer größer werdenden Smartphones und 4,7 Zoll Displays (HTC Titan *hust*) ansieht, ist das 701 eine willkommene Abwechslung. Wie gewohnt ist das Metall-Gehäuse gewohnt gut verarbeitet. Als Display wurde ein 3,5 Zoll großes IPS-LCD-Panel mit einer Auflösung von 640*360 Pixeln verbaut. Mit 1000 nits hat es eines der hellsten Hintergrundbeleuchtungen derzeit auf dem Markt, was vor allem bei direktem Sonnenlicht von Vorteil ist. Leider ist die Auflösung noch immer nicht auf dem Niveau der Konkurrenz. Während das 701 auf 210 ppi kommt, erreicht das iPhone 4S beispielsweise über 300 ppi. Ein richtiges Highlight für ein Nokia-Smartphone ist der 1Ghz-Prozessor, der endlich den lang erwarteten Performance-Schub bringt. Animationen laufen flüssiger, der Touchscreen reagiert schneller auf Eingaben und im ganzen System funktioniert alles merkbar schneller und besser. Ich weiß nicht, ob die Performance Belle zuzuschreiben ist, oder der Prozessor dafür verantwortlich ist, jedenfalls überzeugt die Kombination aus beiden.

Auf der Rückseite des Nokia 701 prangt ein 8 MP Kamera-Modul, das in dunklen Szenen von einem Dual-LED-Blitz unterstütz wird. Die Qualität der Fotos ist grundsätzlich im oberen Mittelfeld, man muss jedoch bei der Schärfe der Bilder Einbußen hinnehmen. Der Branchenprimus in Sachen Kamera – das iPhone 4S – knippst deutlich schärfere Bilder. Zusätzlich erschwert der fehlende Auto-Fokus schnelle Schnappschüsse. Vor allem Nahaufnahmen leiden unter dem fixierten Fokus. Die Farben werden vom 701 gut aufgenommen und dargestellt, lediglich einen leichten Gelbstich konnte ich in manchen Situationen erkennen. Neben Fotos nimmt das Nokia 701 auch Videos mit einer Auflösung von 720p mit 30 fps. Auch hier hat die Konkurrenz mit leider 1080p schon mehr zu bieten.

Als eines der ersten Smartphones hat das Nokia 701 auch einen NFC-Chip integriert, der den Austausch von Bildern zum Kinderspiel macht. Einfach Bild auswählen und zwei kompatible Geräte aneinanderhalten. Einen Augenblick später verbinden sich die Tauschpartner selbstständig über Bluetooth und versenden die Daten. Kein lästiges Pairing oder PIN-Code Eingabe mehr. Ebenso einfach können Multiplayer-Spiele gestartet werden – Smartphones aneinanderhalten und alles funktioniert wie von Zauberhand. In Wien ist es außerdem möglich – wie im Video unten zu sehen – seine Fahrkarten für die Wiener Linien ganz bequem über NFC zu kaufen. Das Handy zum NFC-Badge beim Fahrkartenautomaten gehalten und schon erscheint die vorgeschriebene SMS zum Fahrkartenkauf auf dem Display. Einziges Manko an der NFC-Implementierung ist die Inkompatibilität zum Nexus S. Dieses konnte ich partout nicht zur Kooperation überreden.
http://www.youtube.com/watch?v=ZnPEaEQVUBo
Üblicherweise würde ich mich in diesem Teil eines Nokia-Reviews über das antiquierte Betriebssystem auslassen, aber Symbian Belle scheint der erste richtig große Schritt zu sein, was Usability und Benutzbarkeit betrifft. Umso bitterer ist es, wenn man weiß, dass die Symbian-Geräte jetzt bald durch Windows Phone 7.5 abgelöst werden. Aber jetzt zu den Verbesserungen bei Belle: Es gibt nun bis zu 6 unterschiedliche und frei gestaltbare Homescreens, die sich mit Swipes nach rechts oder links erreichen lassen. Die Homescreens können nach eigenen Vorlieben mit Icons und Widgets dekoriert werden. Entwickler können Widgets seit Belle übrigens in fünf verschiedenen Größen anbieten, wodurch sich bessere Darstellungsmöglichkeiten bieten. Dies kommt schon bei den Standard-Widgets zum Ausdruck, die sich bei Belle als deutlich hübscher und nützlicher erweisen. Ähnlich wie bei Android und iOS gibt es jetzt auch ein Benachrichtigungs-Tab, das von der Status-Leiste mit dem Finger heruntergezogen wird. Dort sind praktischerweise auch Schnell-Ein/Aus-Schalter für Bluetooth, WLAN, die mobile Datenverbindung und einen Silent-Mode untergebracht. Zusätzlich erscheinen neue Benachrichtigungen auch auf dem Lock-Screen. Im App-Menü fällt auf, dass erstmals keine Ordner-Hierarchie mehr das Menü verkompliziert. Alle Programme sind ohne verschachtelte Menü-Punkte erreichbar – diese können jedoch noch immer manuell erstellt werden. Eine integrierte Suche hilft beim Auffinden des gewünschten Programms. Auch der integrierte Browser hat ein kleines Facelifting spendiert bekommen. Auf der unteren Seite gibt es neuerdings eine Navigations-Leiste mit Vor-/Zurück-Buttons, dem Lesezeichenmenü und einem Schnellzugriff auf die Tabs. Schon diese kleine Änderung verbessert die Usability deutlich – außerdem funktioniert das Scrollen jetzt deutlich flüssiger.
http://www.youtube.com/watch?v=eaY3TaTbZKE&feature=related
Mein großes persönliches Highlight von Belle sind jedoch keine zusätzlichen Funktionen oder Apps, sondern einfach, dass erstmals alles flüssig läuft und zumindest bei einfachen Operationen keine Ruckler auftreten. Die Elemente folgen den Fingern auf dem Touchscreen ohne Verzögerungen – da kann sich so manches Android-Gerät eine Scheibe abschneiden. Die restlichen Nokia Apps, wie die Karten-App oder der Ovi-Store, sind gewohnterweise auch beim Nokia 701 wieder an Board.
Alles in allem ist das Nokia 701 das erste Nokia Symbian-Gerät seit der Einführung von Touchscreens, mit dem ich mich anfreunden könnte. Vor allem die handliche Größe und der Speed-Bump sowie die Verbesserungen bei der Software tragen dazu viel bei. Ich denke von der Verarbeitungsqualität und Materialwahl kommen nur wenige Produkte am Markt derzeit an das 701 heran. Durch das Metall-Gehäuse wirkt das Gerät einfach stabiler und edler als Smartphones aus Plastik. Es ist wirklich schade, dass die Tage von Symbian, jetzt wo es endlich benutzbar wird, schön langsam gezählt sind. Die ersten Windows Phone 7.5-Geräte sind bereits angekündigt und werden schließlich Anfang nächsten Jahres auch zu uns kommen. Wie zukunftsträchtig die Symbian-Plattform wohl bis dahin ist?!
