Das iPad ist das hervorstechende Gerät und gleichzeitig Aushängeschild der sogenannten Post-PC-Ära. Also der Zeit nach dem großen PC-Zeitalter, wo Tablets und Smartphones viele Arbeiten des guten alten Laptops oder Desktop-Computers abnehmen und in vielem sogar besser sind. Man kann damit super im Internet surfen, man kann Bücher lesen, Fotos anschauen, Musik hören und Videos genießen. Alles Tätigkeiten, wo man Inhalte konsumiert, aber kann man damit auch Content produzieren? Diese Frage ist mindestens so alt wie das iPad selbst. Kann man damit Bloggen? Kann man damit längere Mails verfassen oder sogar „Office“-Zeugs machen? Ja, kann man theoretisch schon seit Stunde 1. Aber mit das Touch-Tastatur auf dem Display sind diese Tätigkeiten mehr als mühsam und man bekommt schnell das Verlange, zum Laptop zurück zu wechseln. Doch es gibt Lösungen für das Problem. Logitech hat zwei davon im Angebot, die ich testen und hier vorstellen darf.

Beides sind Wireless-Tastaturen, die sich via Bluetooth mit dem iPad verbinden. Das Ganze funktioniert also kabellos und man braucht nicht den Dock-Port dafür verwenden. Da Apple selbst eine Bluetooth-Tastatur für das iPad anbietet, sind die Funktionen sehr gut im System eingebettet. Einmal mit dem iPad verbunden, erkennt und verbinden sich die Tastaturen in Zukunft selbstständig mit dem iPad und man braucht keine Einstellungen wiederholen. Das iPad versteht sich bestens mit den Tastaturen. So wird das Onscreen-Keyboard vollständig versteckt, sobald eine Bluetooth-Tastatur verbunden ist und verbraucht damit keinen unnötigen Display-Platz. Man hat also beim Schreiben plötzlich den ganzen Bildschirm zur Verfügung, was im Grunde sehr positiv ist. Einziger Nachteil, ist die Tastatur versehentlich aktiviert (zB durch Tastendruck) und das iPad in der Nähe, bekommt man auch keine Tastatur mehr eingeblendet. Das kann man Anfang etwas verwirrend sein, wenn man sich nicht auskennt, warum keine Touch-Tastatur angezeigt wird. Außerdem gibt es spezielle Sondertasten, die den Umgang mit iOS im Tastatur-Betrieb vereinfachen.

Das Logitech Ultrathin Keyboard Cover ist, wie der Name vermuten lässt, eigentlich ein Cover für das Display, ähnlich dem Smart Cover von Apple. Es wird ebenso mit Magneten am iPad befestigt und ist daher nur zum neuen iPad und zum iPad 2 kompatibel. Das Ultrathin Keyboard Cover hat eine vollwertige Tastatur und ist knapp 1 cm hoch. Die Tasten sind ausreichend groß, sodass man nach einer kurzen Eingewöhnung alle Buchstaben treffsicher anvisieren kann. Zwar ist das Tastenlayout platzbedingt ein wenig anders als bei Desktop-Tastaturen, aber immer noch besser als bei vielen Netbooks, die ich bisher ausprobiert habe. Klappt man das Cover zu, geht das iPad wie vom Smart Cover gewohnt automatisch in den Ruhezustand. Das erkennt auch das Cover selbst und startet ebenfalls den Stromsparmodus. Wird das Cover wieder aufgeklappt, sind beide Geräte innerhalb weniger Sekunden wieder einsatzbereit. Ich muss zugeben, das hat Logitech clever gelöst. Das iPad kann im Betrieb in eine magnetische Halterung gesteckt werden, wodurch es fast wie ein kleiner Laptop aussieht und ideal zum Schreiben ist.

Die Tastatur soll laut Herstellerangaben bis zu einem halben Jahr ohne Stromzufuhr auskommen. Danach kann sie via Micro USB-Anschluss geladen werden und hält im Anschluss wieder 6 Monate durch. Eine sehr praxistaugliche Batterielaufzeit.

Wem diese Laufzeit nicht genügt, sollte sich das Solar Keyboard Folio von Logitech einmal genauer ansehen. Durch integrierte Solar-Panele wird das Keyboard ausschließlich mit Licht (auch künstliches oder gedämpftes) betrieben. Nach einer einmaligen Vollladung, die in ein paar Stunden bei guten Lichtverhältnissen abgeschlossen ist, geht der Tastatur selbst bei vollkommener Dunkelheit zwei Jahre lang nicht der Strom aus. Auch das Solar Keyboard Folio bietet dem iPad als Cover Schutz. Im Gegensatz zum Ultrathin Cover ist es aber nicht nur an der Vorderseite geschlossen sondern schützt das iPad rundherum.

Dazu wird es in eine Kunststoff-Halterung eingesetzt, die bei mir eher sperrig und nicht sehr flexibel reagierte. Man sollte das iPad also nicht dauernd wieder raus- und reintun. Einmal eingesetzt ist es jedoch fest mit dem Cover verbunden und auf jeden Fall besser geschützt als beim Ultrathin Cover. Dafür ist das Solar Keyboard Folio deutlich größer und unhandlicher. Solar-Technik in allen Ehren, aber ein iPad muss für mich (samt Cover) noch immer klein und handlich bleiben. Im geöffneten Zustand, bietet das Solar Folio zwei Positionen: Einmal der Tastatur-Modus wo das iPad eine Laptop-ähnliche Position einnimmt und einmal den Entertainment-Modus im 45 Grad Winkel. Wird der Letztere verwendet, tauscht das Keyboard die Funktionen der unteren Tasten-Leiste automatisch gegen Play, vor, zurück, Lautstärker-Regler, etc. aus. Sehr praktisch.

Mein absolutes Lieblings-Modell ist trotzdem das Ultrathin Keyboard Cover, weil es nur marginal mehr Platz braucht als das Smart Cover, man aber immer und überall eine vollwertige Tastatur dabei hat. Außerdem sieht es einfach schicker aus als das große Solar Folio. Deswegen habe ich es über ein paar Wochen genauer getestet und es in vielen Situationen lieb gewonnen. Da ich aus Oberösterreich komme pendle ich am Wochenende oft zwischen Wien hin und her. Da würde es sich logischerweise anbieten, nur das iPad mitzunehmen und das MacBook öfters daheim zu lassen. Das war bisher bei mir beruflich einfach nicht möglich. Da ich als Freelancer auch Websites betreue und Entwicklungs-Arbeiten mache, bleibt es auch am Wochenende nicht aus, kleine Änderungen und manche dringende Wartungsarbeiten zu erledigen. Außerdem ist das Wochenende sowie die Zugfahrten der Zeitpunkt, wo ich am meisten und liebsten für meinen Blog schreibe. Auf dem iPad ist mit dem Onscreen-Keyboard zwar beides nicht unmöglich, macht aber keinen Spaß und dauert viel zu lange. Auch die ein oder andere Code-Zeile bei Webseiten zu ändern oder sich via Kommandozeile/SSH auf einen Server einzuloggen machte bisher – mangels Soft- und Hardware – nicht wirklich viel Sinn. Doch die Umstände haben sich dank dem Ultrathin-Keyboard von Logitech und Apps wie iA Writer und Diet Coda im App Store verändert. Zu guter Letzt möchte ich diese zwei Apps noch vorstellen, um einen konkreten Einsatzzweck für die zwei Keyboards zu bieten:

iA Writer (€ 0,79) – Seit ich mir angewöhnt habe, längere Blogposts in dieser App zu schreiben, mag ich gar nicht mehr davon weg. Distraction-Free-Writing, also das Schreiben ohne Ablenkungen, hat mir persönlich sehr geholfen, schneller und besser zu schreiben. Mittlerweile benutze ich die App sehr oft sogar auf dem Mac und halte via iCloud alle Geräte in Sync. Auf dem iPad ist in der Testphase auf diese Weise ein kompletter Blogpost entstanden. Durch iOS 6 und die Foto-Upload-Funktion im Safari wird Bloggen auf dem iPad in Zukunft sogar noch einfacher. Ich hätte mir früher nie gedacht, dass ich jemals auf dem iPad einen Artikel für meinen Blog schreibe. Aber ihr seht, es geschehen Wunder. :-)

Diet Coda (€ 15,99) – Ebenfalls eine App, die ich vom Mac kenne, und sozusagen meine Web-Development-Suite darstellt. Coda vereint FTP-Client, Texteditor und SSH-Verbindung im Terminal unter einem Dach (bzw. Fenster) und erleichtert die Entwicklung um ein Vielfaches. Diet Coda ist der kleine Bruder von Coda und ist genau das, wonach ich gesucht habe. Ein schlanker Client, mit dem man unterwegs schnell Änderungen an Websites machen oder sich am Server einloggen kann. Außerdem kann die App als Live-Preview für die Desktop-Version verwendet werden. Leider ist sie nicht ganz billig.