Wer schon einmal die Freue hatte mit mir übers Wetter zu reden, der wird mich auch sicherlich über den „Rund ums Wetter“-Blog von Manfred schwärmen gehört haben. Dort werden aktuelle Wetter-Situationen anschaulich erklärt und man erfährt, warum das Wetter gerade so ist wie es ist und wie die Meteorologen zu ihren Prognosen kommen. Ich weiß nicht von was meine Faszination dafür ausgeht, aber irgendwie könnte ich mich stundenlang durch die Beiträge auf dem Blog lesen. Dort wird mir nämlich eines geboten, das ich auf den traditionellen Wetterseiten nicht bekomme: Kontext. Ich lese auch viel lieber das textuelle ORF-Wetter, als ein paar lachende Sonnen und Wolken-Grafiken auf einer Landkarte. Der Wetterverlauf und das -Geschehen lässt sich nämlich so viel besser mitverfolgen.

Noch eine Stufe darüber war für vor 2 Jahren die Vorstellung von Dark Sky. Einer von Kickstarter gefundeten Wetter-App, die komplett auf traditionell analysierte Wetter-Daten verzichtet und seine Vorhersagen selbst berechnet. Verwendet werden dazu die Rohdaten von Radar-Stationen der US Wetter- und Ozeanografiebehörde. Dass man mit solchen Daten noch nicht viel machen kann, schreiben die Jungs selbst in einem super interessanten Blogpost. Dort wird auch die Aufbereitung und Weiterverarbeitung genauestens beschrieben und wie (hyper-)intelligente Algorithmen daraus eine genaue Vorhersage machen. SO genau, dass Dark Sky minutengenau das Wetter für einen bestimmten Standort vorhersagen kann. So könnte es zum Beispiel am Display anzeigen, dass es in exakt 3 Minuten vor meiner Wohnungstür auf der Landstraßer Hauptstraße 32 in 1030 Wien zum Regnen anfangen wird. Und das funktioniert – zumindest in den USA – auch wie versprochen.

Ich weiß nicht wie es euch dabei geht, aber ich finde das einfach nur Mind-Blowing und gleichzeitig schade, dass es wegen fehlender (freier) Daten soetwas nicht auch bei uns geht. Wir müssen froh sein, wenn wir auf den Bezirk abgestimmte Wettervorhersagen bekommen, deren Genauigkeit meistens mehr schlecht als recht ist. Und das in einer Zeit, wo man mir auf der anderen Seite der Erde zu einer GPS-Position sagen kann, in wie vielen Minuten es zu regnen beginnt.

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Wer jetzt auch auf so einen Service Lust bekommen hat, der braucht nicht enttäuscht sein. Es gibt nämlich einen Grund, warum ich diesen Blogpost schreibe: Heute haben die Entwickler von Dark Sky den Launch einer neuen Plattform namens Forcast angekündigt. Diesmal sind die Daten nicht mehr in einer plattformabhängigen App gefangen sondern via Browser frei im Internet abrufbar. Vorbei sind also die Ökosystem- und Gerätebeschränkungen. Auch die US-Only-Sperre wurde aufgehoben. Dank der Verwendung von anderen Radar- und Wetterdiensten kann man Forcast auch sogar in Österreich verwenden. Leider gibt es hier (noch) keine minutengenaue Vorhersage, aber immerhin bekommt man das Wetter stündlich für einen genauen Standpunkt serviert. In diesem Fall das Wetter bei mir zuhause in Oberösterreich mitten am Land:

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Die Adresse wird über die Browser-Geolocation automatisch erkannt und schon bekommt man das Wetter präsentiert. Für ausgewählte Gebiete (United States, UK, Irland, Teile von Kanada und Puerto Rico) gibt es wie von Dark Sky gewohnte minütliche Regen-Vorhersagen. Man kann sich auch frei durch den Globus klicken. Hier gibt es einige interessante Dinge zu entdecken:

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Womit Forcast ebenfalls gut zurecht zu kommen scheint ist die Generierung von kleinen Text-Zusammenfassungen des Wettergeschehens. Was beim ORF ein Mitarbeiter macht, schafft hier der Server selbst. Er sagt mir beispielsweise so kleine Details wie die Menge des Schnees bis zum nächsten Morgen in Zentimeter. Alles in natürlicher und gut verständlicher Sprache. Um interessante Textdetails zu generieren werden laut Entwickler eine Menge statistischer Daten verwendet. Bei den Zusammenfassungen sollen vor allem die Dinge in den Vordergrund treten, die nicht typisch für die Zeit und Ort sind. Dank einer Vielzahl historischer Wetterdaten ist das wie es aussieht ein guter Ansatz.

Und das ist genau der Punkt. Scheinbar gibt es unheimlich viele Daten, die nur darauf warten zu einem Ganzen zusammengesetzt und analysiert zu werden. Es braucht nur eine Handvoll fähiger Leute und eine Vision. In dem Fall ist es der Gedanke, personalisierte, auf den Ort bezogene, Real-Time-Wettervorhersagen zu generieren. Wahrscheinlich aus der Enttäuschung heraus, dass traditionelle Wetterdienste genau das bisher einfach nicht geschafft haben. So etwas wie Dark Sky und Forcast sind die spannenden Innovationen, die uns allen das Leben durch die Verwendung einer großen Menge Daten leichter machen. In solchen Situationen bekommen neue Startups die Chance, eingeschworene und träge „Industrien“ aufzubrechen und aus den Stücken etwas viel Großartigeres zu machen.

Aktuell könnten sich auch die Wiener Linien davon ein Beispiel nehmen. Freier Zugang zu den Fahrplan und Echtzeit-Daten wären eine super Basis, damit Entwickler etwas daraus machen. Das schafft einen Mehrwert für die Einwohner und Nutzer der Öffi-Infrastruktur. Eine App sollte mich zum Beispiel erinnern, wann der beste Moment ist, dass ich mich von einer Party verabschiede um die letzte U-Bahn noch zu erwischen. Oder mir sagen, dass sich mit dem derzeitigen Geh-Temp der Bus wahrscheinlich nicht mehr ausgehen wird und ich einen Zahn zulegen sollte. Ich wünsche mir ein Wien, wo all das möglich ist und eine Welt, in der es mehr so großartige Erfindungen wie Dark Sky und Forcast gibt.