Seit einigen Wochen ist das Lumia 920 dank Nokia Österreich leihweise mein treuer Begleiter. Das Smartphone ist bereits mit LTE-Technologie ausgestattet und braucht nur mehr eine passende SIM-Karte plus Datentarif, um den mobilen Datenturbo nutzen zu können. Vor zwei Wochen hat mir A1 eine Test-SIM zur Verfügung gestellt, um die neue Technologie auf Alltagstauglichkeit testen zu können.
Als erstes dachte ich mir, dass die Netzabdeckung wahrscheinlich – wie bei allen neuen Technologien – am Anfang sehr gering ausfallen wird. Ein Blick auf die Karte von A1 zeigt aber, dass bereits (fast) ganz Wien sowie Linz, Wels, St. Pölten, Wiener Neustadt, Eisenstadt, Graz, Klagenfurt, Innsbruck und Bregenz mit LTE-Masten ausgestattet wurden. Das heißt, dass man in den meisten größeren Städten in Österreich voll von der besseren Geschwindigkeit profitieren kann. Laut A1 haben demnach 2,5 Millionen Leute Zugang zum LTE-Netz. Tatsächlich hatte ich in Wien fast überall ein „L“ am oberen Displayrand stehen. Das „L“ ist beim Lumia der Indikator für ein aktiviertes LTE-Signal und löst somit „H+“ als schnellste mögliche Verbindung ab. Damit sich das Lumia ins LTE-Netz einwählt, muss man aber zuerst in den Einstellungen die 4G-Verbindung zulassen. Standardmäßig war diese deaktiviert.
Sowohl in Wien als auch in Linz hatte ich keine Probleme ein LTE-Netz zu finden. Ich war selbst überrascht wie flächendeckend die Abdeckung in den Ballungsräumen ausgebaut ist. Sollte an manchen Stellen kein LTE zur Verfügung stehen, springt das Handy automatisch ins nächst geringere Netz zurück.

Nun zum Wichtigsten, dem Geschwindigkeits-Boost durch LTE. Spätestens wenn man zum ersten Mal den Speedtest am Smartphone ausführt, sollte einem die Kinnlade runter klappen. Zuerst versucht man vorsichtshalber noch einmal zu checken, ob man nicht doch im WLAN eingewählt ist. Aber nein, denn LTE ist oftmals sogar schneller als die meiste Internet-Verbindungen, das man über die heimischen Fest- und Kabelnetzbetreiber bekommt. Ich habe in Wien sowie Linz insgesamt 30 Speetests mit der App von Speedtest.net gemacht und dabei einen Durchschnittswert von 49 Mbit/s geschafft. Kein schlechter Wert, wenn man bedenkt, dass mein UPC-Anschluss in Wien nur ca. 40 Mbit/s erreicht. Die Werte in Wien waren zugegeben breit gestreut. Meinem Spitzenergebnis am Karlsplatz mit 88 Mbit/s stehen auch Werte mit 22 Mbit/s gegenüber. In dieser Spanne erkennt man eine recht gute Verteilung der Geschwindigkeiten. Hier ein paar ausgewählte Messpunkte auf einer Karte dargestellt.

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Resultate allesamt umgeworfen haben. Auch ein Wert von 40 Mbit/s (66% meiner Messungen waren darüber) ist für ein mobiles Datennetzwerk noch unfassbar schnell. Ein Wert von 88 Mbit/s auf der anderen Seite ist aber so unfassbar gut, dass man es fast nicht glauben kann. Das ist die 25-fache Geschwindigkeit meiner 3 Mbit/s-Leitung daheim in Oberösterreich am Land. Laut Speedtest.net ist diese Geschwindigkeit schneller als 99% der in Österreich durchgeführten Speedtests. Völlig mobil und ohne Kabel. Sehr Verrückt, wenn ihr mich fragt! Theoretisch wären bei A1 übrigens derzeit 150 Mbit/s möglich.

Bleibt nur noch die Frage: Wie nützlich sind solche Geschwindigkeiten am Smartphone? Über diese Frage habe ich mir viele Gedanken gemacht. Klar, es ist „nice to have“, aber man braucht meiner Meinung nach für den normalen Internet-Gebrauch am Smartphone – und damit meine ich das Surfen mit dem Browser – keine solchen Geschwindigkeiten. Für was es jedoch sehr nützlich ist, ist Musik-Streaming, wo man dann leicht die Bitrate raufstellen kann, und Video-Streaming (read: YouTube), wo selbst HD-Videos in Sekundenschnelle zum Abspielen beginnen. Ein dritter Anwendungsfall, wo LTE wirklich seine Karten ausspielen kann, ist Tethering. Mit dem angeschlossenen Laptop macht das Surfen übers Mobilfunknetz gleich dreifach Spaß. Stellt es euch so vor: Wenn ich einen Smartphone-Hotspot aufmache und im Startbucks-Cafe sitze, ist mein Internet um ein Vielfaches schneller, als wenn ich das kostenlose Wifi vom Lokal benutze.
Was man (leider) noch hervorheben muss, ist, dass die Akku-Laufzeit im LTE-Betrieb schon geringer als im 3G/HSDPA-Modus ist. Vor allem wenn man es zusammen mit dem Laptop als Hotspot benutzt sieht man die Prozente bei der Akkulaufzeit förmlich davonrennen. Aber ich denke, dass man den Stromverbrauch einfach in Kauf nehmen muss. Vor allem hat man während dem Tethern oft sowieso die Möglichkeit, das Handy samt Laptop ans Stromnetz zu stecken. Wenn man längere Zeit (Sprich mehr als 1 Tag) unterwegs ist, sollte man die LTE-Option in den Einstellungen jedoch vorsichtshalber deaktivieren oder das Windows Phone in den Stromspar-Modus versetzen. Dann werden die Mails und Hintergrund-Prozesse abgeschaltet, was viel Akku spart.
Abschließend bleibt noch zu sagen, dass jeder selbst abwiegen muss, ob einem LTE das zusätzliche Geld wert ist. Derzeit kostet ein Vertrag mit LTE-Speed bei A1 noch knapp 60 Euro pro Monat. Zusätzlich gibt es ein extra LTE-Paket für normale Verträge, die ab 9,90 Euro mit voller LTE-Geschwindigkeit beschleunigt werden.
Habt ihr LTE schon einmal ausprobiert? Seid ihr bereit für den Datenturbo mehr zu zahlen oder habt noch Fragen an mich? Ich würde mich über eure Kommentare unten freuen.
