Genau sieben Tage bevor Apples neues iPhone ins Rennen um die Krone der Smartphone-Herrschaft geschickt wird, hat Nokia in New York seine neuen Windows Phone 8-Geräte vorgestellt. Ja richtig, Geräte. Denn Nokia hat am Mittwoch gleich zwei neue Smartphones vorgestellt. Das neue Flagship-Modell Lumia 920 und das Mid-Range Lumia 820.
Ich durfte glücklicherweise in Berlin bei der Deutschland-Premiere von beiden Geräten dabei sein, die gleichzeitig zum Live-Stream aus New York abgehalten wurde. Der Live-Stream war sogar Hauptbestandteil des Events – zumindest so lange, bis der Server überlastet war und der Stream zusammengebrochen ist. Zum Glück war das erst gegen Ende und die Hauptinformationen waren damit bekannt. Den Rest hat uns dann jemand von Nokia Deutschland live gezeigt. Was wahrscheinlich sogar besser war als über den Stream.
Beiden Smartphones gemeinsam ist das neue Farbschema. Vorbei sind die Zeiten von Cyan und Magenta. Jetzt dominieren Rot und Gelb. Die prägnanten Farben sind einmal etwas neues in der monochromen Smartphone-Welt. Mir gefällt’s. Fangen wir aber mit dem Lumia 920 an. Dieses hat die vom Nokia 808 bekannte PureView-Technologie an Board. Jedoch nicht in dem Sinne, dass es einen Bildsensor mit 39 Megapixel verbaut hat, sondern nur als Synonym für eine bestechend gute Bildqualität. Durch eine optische Bild-Stabilisierung und eine Carl Zeiss-Linse soll es fünf bis zehn mal bessere Fotos schießen, als alle anderen derzeit erhältlichen Smartphones. In einer Qualität, die wir ansonsten nur von Spiegelreflexkameras kennen, meint Nokia in der Presseaussendung. Gegenüber der Aussage bin ich zwar skeptisch, aber eine Verbesserung zu anderen Smartphones wird sicherlich sichtbar sein. Ebenfalls neu ist das 4,5″ PureMotion HD+ Display, das mit einer Auflösung von 1280 x 768 Pixeln brilliert, was einer Pixeldichte von 332 ppi enspricht. Außerdem soll es eine besonders schnelle Reaktionszeit bzw. gute Farbdarstellung bieten. Eine große Verbesserung zu den Windows Phone 7-Geräten, die auch dringend nötig war. Wenn wir schon beim Display sind. Für alle die während dem Schifahren mal gerne das Smartphone checken oder beim Punsch-Trinken twittern möchten hat Nokia ein interessantes Detail in Petto. Das Lumia 920 lässt sich sogar mit Handschuhen bedienen. Eine neue Touch-Technologie von Synaptics macht dies möglich. Sehr nice, wie ich finde – das macht meine Agloves überflüssig. Ein großes Display hat aber auch leider einen Preis: Das Lumia 920 ist noch größer als das Lumia 900. Zwar sind es nur einige Millimeter, es ist aber größer, dafür scheinbar ein wenig dünner. Wie seine Vorgänger hat das neue Flagship in Nokias Sortiment wieder einen Polycarbonat Unibody. Heißt: es knarzt nichts, es fühlt sich gut an und auch wenn es mal runter fällt wird es nicht gleich kaputt.
Im Innern werkelt ein mit 1,5 GHz getakteter Dual Core Snapdragon S4-Prozessor sowie 1 GB RAM. Dieser stromsparende (aber dennoch hochleistende) Chip zusammen mit dem 2000mAh Akku sollen für eine gute Akkulaufzeit sorgen. Was ebenfalls dazu beitragen wird ist die Wireless Aufladestation. Diese soll laut Nokia Vorschlag immer wenn man es sich auch selbst daheim gemütlich macht, genutzt werden. Also heimkommen, Smartphone auf die Ladestation legen und schon wird der Akku geladen und ist bereit wenn man wieder das Haus verlässt. Klingt gut, ob das dauernde Laden jedoch dem Akku so gut tut bleibt ein anderes Thema.
Wenn wir schon beim Wireless-Charging sind. In Amerika sollen diese Ladestationen auch in bekannten Kaffeehaus- und Restaurant-Ketten zum Einsatz kommen. So zum Beispiel in den Tischen, auf denen man sein Handy nur mehr richtig platzieren muss, um es aufzuladen. Eine sehr coole Idee. Dem Nokia Lumia 820 – quasi dem kleinen Bruder – soll diese Technologie ebenfalls zu gute kommen.
Das Mittelklasse-Smartphone Lumia 820 ist der preisgünstigere Pendant zum Lumia 920 und hat das gleiche Unibody-Design wie bisherige Lumias. Zusätzlich kann man das Cover auf der Rückseite wie früher bei den alten Nokia Handys austauschen. Dahinter verbirgt sich auch ein MicroSD-Slot. Wie beim Lumia 920 kommt ein 1,5 GHz getakteter Dual Core Snapdragon S4-Prozessor und 1 GB Arbeitspeicher zum Einsatz. Bei der Kamera müssen jedoch Abstriche gemacht werden. Das 820 hat keine PureView-bezeichnete Kameratechnologie und es dürfen deswegen keine so guten Fotos erwartet werden. Außerdem hat es ein 4,3 Zoll Display und die gleichen Handschuh-Tauglichen Touch-Sensoren. Dafür ist das Gerät selbst auch kleiner als das Lumia 920.
Das Event in Berlin war echt cool und das gemeinsame Schauen der Präsentation war sehr nett. Lustig, wenn wie bei Apple eine ganze Gemeinsaft von Nokia-Fans mitfiebert und auch zum Klatschen und Pfeifen anfangt, wenn zum Beispiel das Screenshot-Feature vorgestellt wurde (was für Blogger und Redakteure wahrscheinlich DAS Feature war ;-). Ebenfalls wie der Stream abgebrochen und dann live und ohne Stream die Geräte vorgestellt wurden. Leider blieben einige Fragen von den anwesenden Nokia-Mitarbeitern unbeantwortet. Unter anderem der fehlende Preis und das Verfügbarkeitsdatum waren eine große Enttäuschung. Nur ein vages „in Deutschland noch in diesem Jahr“ wurde verraten. Ob dies jetzt Ende Oktober oder gar Anfang Dezember bedeutet bleibt der eigenen Interpretationskraft überlassen. Ansonsten hat Nokia zwei Spitzenklasse-Smartphones vorgestellt, die vor allem technisch einiges unter der Haube haben. Die innovativen Extras zeigen, dass wir für den finnischen Konzern noch lange nicht alle Hoffnung aufgeben sollten. Das Smartphone-Rennen bleibt also sicherlich auch in der nächsten Woche noch spannend. Bleibt also nichts anderes übrig als Abzuwarten und Tee finnisches Bier zu trinken. Das gab’s nämlich bei der anschließenden Grillerei im Ritter Butzke.






