Als Mac-User hat man ja zum Glück nicht oft die „Freude“, sein System komplett neu installieren zu dürfen. Ein Prozess, der sich oft schwieriger gestaltet als man denkt. Dazu kommen nämlich ebenfalls äußerst lustige Dinge wie ein Backup machen oder die Angst, dass man irgendwas vergessen hat. Am besten sortiert man seine Daten außerdem gleich noch und sichert sich dann nur noch die wichtigen. Ebenfalls eine Aktivität, die sich in der Theorie einfacher anhört als sie in der Praxis ist. Irgendetwas vergisst man nämlich immer. Und wenn es nur eine Datei ist, die sich noch in den Untiefen des alten Systems versteckt (Private-.ssh-Keys zum Beispiel – nicht das mir das schonmal passiert wäre ;-).

Gesagt getan habe ich mein MacBook Air seit 3 Jahren und nach 2 OS-Upgrades zum ersten Mal in seinem Leben komplett formatiert und Mountain Lion neu installiert. Schon beim Backup-Erstellen bin ich drauf gekommen, dass mir die Cloud-Dienste einiges an Arbeit abnehmen werden. Mails sind komplett in GMail, Kalender in der iCloud, die Musik in Spotify und sehr viele Einstellungen und Passwörter ebenfalls im Apple Sync-Dienst. Alles was sich im Browser abspielt (Einstellungen, Apps, Kennwörter) synchronisiert Chrome verschlüsselt zu Google. Ein Großteil meiner Dateien (Uni + Freelancing) werden dank Dropbox Pro-Abo ebenfalls online gespeichert und können nach der Formatierung einfach wieder heruntergeladen werden. Alle Entwicklungs-Projekte sind via Git und Bitbucket in der Cloud und können von dort neu gepullt werden. Das ist schon ein sehr, sehr großer Teil der Daten, um die man sich keine Sorgen mehr machen muss. Den Rest also noch schnell auf eine externe Festplatte gespielt und schon kann’s losgehen.

Erstes Problem: Wie Installiert man ein Mountain Lion-Betriebssystem neu, wenn man kein DVD-Laufwerk hat und das OS über den App Store gekauft hat? Ganz einfach, den Mac mit ALT + D starten und in die Wiederherstellungs-Modus Booten. Dort hat man die Möglichkeit die Festplatte zu formatieren und anschließend das Betriebssystem neu zu installieren. Gesagt getan und die Festplatte formatiert, alle Daten gelöscht und wieder in den Wiederherstellungs-Modus gebootet. Dort muss man dann das Wifi- und App Store-Kennwort eingeben und das MacBook lädt sich vollkommen allein die neueste Version von OS X aus dem App Store. Das größte Problem daran war die langsame Verbindung in Oberösterreich, aber was soll man machen. Die zwei Extra-Stunden hab ich dank des guten alten TVs auch überlebt. Nach dem Download startet die Installation und kurze Zeit später (SSD sei Dank) ist ein backfrisches System auf dem Mac.

Zweites großes Übel an so einem Unterfangen ist normalerweise die neue Einrichtung und Installation aller Programme. Schauen wir also, ob sich auch da im Cloud-Zeitalter etwas geändert hat. Beim ersten Starten wird man gleich nach dem iCloud-Passwort gefragt damit der Sync-Dienst sofort wieder seinen Dienst verrichten kann und Kalender sowie Mail eingerichtet wird. Erste Station danach ist der App Store, über den ich glücklicherweise schon viele meiner Programme gekauft und heruntergeladen habe. Dort findet sich praktischerweise der Menüpunkt „Einkäufe“, wo alle ditigalen Besitztümer angezeigt werden. Man braucht dann nur mehr bei jedem App auf den Download-Button klicken und schon wird im Hintergrund alles von alleine erledigt. Sehr komfortabel, wenn man sich die Programme nicht mehr auf allen möglichen Seiten zusammensuchen muss. Da es ein paar Apps noch immer nicht (oder wahrscheinlich auch nie) in den Store geschafft haben, gibt es leider noch ein paar Sachen, die man sich altmodisch installieren muss. Aber immerhin wurde bei mir die Anzahl dieser Apps deutlich reduziert.

Ich muss schon zugeben, für das, dass alle immer über Cloud-Dienste motzen, haben sie mir schon ziemlich viel Arbeit erspart. Und das auch nicht nur dieses eine Mal, sondern auch zum Beispiel wenn der ganze Computer unerwartet ein Fall für die Müllhalde ist und man dank der Cloud einen Großteil der Daten immer gesichert hat. Wenn man das Prinzip noch ein wenig weiterdenkt, wäre ein komplettes Benutzerbackup in der iCloud theoretisch gar keine so schlechte Idee. Wenn Internet-Verbindungen noch schneller werden (und daran arbeitet Google ja schon ganz eifrig) könnte man doch seinen ganzen Benutzer am Mac in die Cloud sichern. Das macht Apple bei iOS schon jetzt. Der Mac wäre ein nächster Schritt.

Ein ähnliches Konzept hatte Apple sogar schon für Mac OS X Panther in Planung, es wurde dann aber kurz vor Veröffentlichung wieder aus dem System genommen. „Home on iPod“ nannte sich der Service, wo man seinen Mac-Account auf den iPod transferieren und dann von jedem Mac der Welt via Firewire und dem eingesteckten iPod auf seine Programme, Einstellungen und Dateien zugreifen konnte. Ziemlich cool wenn man seinen iPod an einen fremden Mac steckt und dann plötzlich alles so aus wie daheim aussieht. Schade jedoch, dass es dieses Feature so nie gegeben hat. Aber Home in the iCloud wäre verlockend: Neben dem normalen Login auf Macs könnte man sich so auf jedem x-beliebigen Mac auch mit der Apple ID anmelden. Tut man dies, wird nicht der lokale Benutzerordner verwendet, sondern jener, der bei Apple in der iCloud liegt. Mitsamt aller Daten und Programme. Sogar der Desktophintergrund und alle Einstellungen werden richtig angepasst und der fremde Mac fühlt sich quasi wie der eigene an. Wenn es kein komplettes Browser-OS wird, ist das der nächste Schritt im Cloud-Computing für mich.

So schön sich das ganze auch anhören mag, eines darf man nicht vergessen. Gerade in letzter Zeit machen einige Account-Hacks und Passwort-Diebstähle die Runde. Ein solcher Cloud-Dienst muss dementsprechend abgesichert werden. Was jetzt schon ein großes Problem ist, wird bei jedem weiteren Schritt in der Cloud multipliziert. Über iCloud kann man gestohlene Geräte bereits jetzt fernsperren oder sogar fernlöschen. Dazu gehören seit neuestem auch Macs. Hätte ein Hacker beispielsweise mein iCloud-Passwort könnte er alle meine Computer und mein iPad ganz gemütlich mit einem Klick löschen. Ziemlich beängstigend. Nach genauerem Überlegen, müsste man die Funktion sogar wieder abzudrehen. Ganz einfach weil es sehr gefährlich ist und man quasi alle seine Daten verlieren kann. Es ist zwar wahnsinnig cool die Sicherheit zu haben, das Gerät bei Diebstahl zu sperren, aber wenn der iCloud-Account in falsche Hände fällt, hat man ein sehr sehr großes Problem. Für das Leben in der Cloud wird also mehr Sicherheit notwendig sein. Ein Authentifizierungs-Prozess, der nur auf Kennwörter setzt, reicht dafür nicht mehr aus. Google und Co verwenden mittlerweile 2-Faktor-Authentifizierung, bei der mann zusätzlich zum Kennwort noch einen Token vom Handy benötigt. Eine etwas umständlichere Methode, die aber einen großes Zuwachs in puncto Sicherheit bringt. Ich hoffe, dass Apple so etwas in Zukunft auch anbieten wird. Vor allem für solche sicherheitskritischen Dinge wie Fernlöschen von Macs. Wenn dieses Problem gelöst ist, bin ich gerne offen, weitere Teile meines Lebens in der Cloud abzulegen.