Windows Phone gets better. Finally. Seit Eineinhalb Jahre benutze ich jetzt Windows Phone. Mal mehr, mal weniger. Mal komplett, mal gar nicht. Seit einem 3/4 Jahr aber fast durchgehend. In dieser Zeit hat sich vieles getan. Microsoft (und Nokia) haben ganz ganz ganz unten angefangen. Und weil gut Ding bekanntlich Weile braucht, trägt die harte Arbeit (und des millionenschweren Entwicklungs- und Werbebudget) erst viel später Früchte. In einem Ökosystem, wo iOS und Android die Überhand haben und sich den Markt teilen, war lange Zeit kein Platz für einen Dritten. Aber viele gescheiterte Versuche, sicherlich viel Frust und Durchhaltevermögen scheint sich auszuzahlen. Langsam kann Microsoft Marktanteile dazu gewinnen und mit viel Marketing, guter Technik und guten Nokia-Geräten hat man es geschafft, wieder in die Köpfe und Hände der Konsumenten zu kommen. Das sagen zumindest letzte Studien.

Marktanteile

In den vergangenen Wochen wurden drei wichtige Marktstudien veröffentlicht: Die erste kommt von Kantar Worldpanel und untersucht den Betriebssystem-Anteil der verkauften Geräte im September 2013. In den fünf größten EU-Märkten (UK, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien) erreichte Windows Phone einen Anteil von 10 % der verkauften Geräte. Also jedes zehnte verkaufte Gerät war ein Windows Phone.  Zum Vergleich, Apple hat auch „nur“ 15 Prozent. In einem der Märkte, nämlich Italien, konnte Windows Phone sogar den zweiten Platz vor iOS für sich behaupten. In Deutschland steigerte man sich von 2,5 % im September 2012 auf 8,5 Prozent. Apple ist auch hier mit 10,7 Prozent in Sichtweite. Der einzige Markt, wo Windows Phone laut Kantar verloren hat, ist China. Dort scheinen laut Studie vor allem die einheimischen Produzenten, die allesamt auf Android setzen, dazuzugewinnen.

„Domestic manufacturers made up 44% of smartphone sales in the latest period“ (China)

Der Report von Canalyst rechnet für Windows Phone mit einer YoY-Steigerung von 185 Prozent auf 9.2 Millionen verkauften Geräten in Q3 2013.  In 19 Ländern ist Windows Phone auf dem zweitem Platz bei den verkauften Geräten. Dazu gehören unter anderem Finnland (39%) Vietnam (16%) Italien (15%) Thailand (11%) Turkei (11%) und Russland (8%).

Der dritte im Bunde ist ComScore und beschäftigt sich hauptsächlich mit den bestehenden Kunden/Nutzern am amerikanischen Markt. Natürlich sind die Zahlen hier nicht so gewaltig, wie bei den Verkaufszahlen, weil hier der monatelange Vorsprung von Android und iOS zum Tragen kommt. Aber einen Trend gibt es trotzdem. iOS (+ 0,7 Prozentpunkte) und Windows Phone (+0.2 Prozentpunkte) konnten gewinnen während Android (- 0,2) und Blackberry (- 0,6) verloren haben.

Die Zahlen zeigen, dass es aufwärts geht. Gegen Ende des Jahres steht aber noch ein harter Wettbewerb bevor. Sowohl Apple als auch Google haben neue Geräte und werden aggressiv am Markt auftreten. Wenn Microsoft und Nokia beweisen können, dass sie auch bei starker Konkurrenz weiter wachsen, sieht die Zukunft gut aus.

Apps & Connected Devices

Ja, Instagram kommt endlich. Damit können wir die Apps-Frage endlich abhaken. ;-) Man merkt derzeit stark, dass viele Dienste ihre Apps auch für Windows Phone umsetzen und die Situation von Woche zu Woche besser wird. Was mir derzeit viel größere Sorgen macht sind die aufstrebenden Wearable & Connected Devices. Denn während man bei Apps eine deutliche Besserung erkennt, sieht es bei der Kompatibilität zu Bluetooth LE-Geräten noch sehr düster aus. Das heißt: Kein Fitbit, kein fancy Nike Fuelband, kein 1000. Kickstarter Wearable-Device. Für Hersteller und Startups gibt es dank fehlender Betriebssystem-Unterstützung und Hardware nämlich nicht einmal die Möglichkeit, Windows Phone zu unterstützen. Die meisten Nokia Lumia-Smartphones werden zwar bereits mit einer kompatiblen Hardware ausgeliefert. Was aber fehlt sind Treiber und Unterstützung im Windows Phone SDK.

connected-devices

Warum der Bluetooth LE-Support so wichtig ist? Kein Konsument, der sich um mehrere hundert Euro eine Smartwatch oder  Fitness-Tracker angeschafft hat, wird später auf ein Smartphone umsteigen, mit dem es nicht mehr funktioniert und zu einem nichtsmachenden Armband degradiert wird. Microsoft und Nokia müssen ganz bald nachbessern, denn ich fürchte der Quantified Self/Connected Devices Trend wird noch sehr viel stärker kommen, als er ohnehin schon da ist.

Hardware

Auf der Hardware-Seite hat Microsoft mit Nokia einen sehr starken Partner, dem ein Großteil des Erfolges von Windows Phone zu verdanken ist. Fast schon im Wochentakt schießt der finnische Konzern neue Geräte auf den Markt und deckt eigentlich jedes Marktsegment ab. Ganz egal, wie viel man als Konsument ausgeben will, es gibt ein Lumia von Nokia dafür. An der Spitze sind derzeit das Lumia 925 und das Lumia 1020. Während ich das 1020 nicht als Flagship-Device sehe, so ist es für ein paar Leute wegen der wirklich Spitzenklasse-Kamera einen Blick wert. Das Lumia 925 dagegen ist ein super Allrounder und kann spielend mit der Konkurrenz mithalten. Im Gegensatz zum 920 ist es leicht, dünn und hat einen ausreichend guten Akku (bei moderatem Gebrauch ca. 1 1/2 Tage). Außerdem eine super Kamera, also alles was man braucht.

Business

Der Geschäftskunden-Bereich ist die Sparte, die Microsoft in den nächsten Monaten retten könnte. Windows Phone hat nämlich das Problem, dass viele Leute einfach nie in Berührung mit dem Betriebssstem kommen und noch immer das schlechte Windows-Image im Kopf haben. Für viele kommt Windows Phone schon allein wegen dem „Windows“ im Namen nicht in Frage. Wenn aber ein ganzes Unternehmen auf einen Schlag mit Windows Phones ausgestattet wird, bringt man schnell viele Geräte in die Hände der Konsumenten. Die dann in weiterer Folge sehen, dass WP8 rein garnichts mehr mit Windows zu tun hat.

Microsoft hat im Business-Bereich unschlagbare Argumente, wenn ein Unternehmen  auch sonst auf Microsoft-Technologien setzt. Integration und nahtlose Zusammenarbeit ist alles. Dass das System funktioniert zeigen große Deals wie Delta (19.000 Phones), Miele (1000+ Phones), KONE (70% der Phones), Britvic (800 Phones),  Foxtons (900+ Phones), Mall of AmericaO2 Germany und Coca Cola in Vietnam und Kambodscha. Hier noch eine paar Auszüge aus den Stellungnahmen zu den Deals:

The Nokia Lumia 820 aligns with our entire device strategy and allows us to fully integrate our current Microsoft systems throughout the company.

The combination of a great smartphone with built-in Microsoft Office suite enables our team to work collaboratively, and SkyDrive ensures we can back up and access our work, wherever we are and whenever we want.

We were looking for a business smartphone that could easily integrate with our existing Microsoft infrastructure.

Nokia Lumia smartphones enable mobile access to Miele’s business applications such as Microsoft Outlook and SharePoint. Additionally, Nokia Lumia offers Miele employees the benefits of a modern smartphone, including secure access at no additional cost to Microsoft Office documents, information and contacts.

The seamless connection to our existing Microsoft infrastructure […]

Diese Zitate zeigen, wie viel Potenzial in dem Bereich steckt. Wenn Microsoft klug agiert, hat man bald eine ähnliche Vormachtstellung wie Blackberry früher.

Fazit

Microsoft (und Nokia) sind derzeit in einer so guten Position wie noch nie. Jetzt darf man nur den Anschluss nicht verlieren. Neben neuer Hardware bei Nokia muss die Software-Sparte bei Microsoft endlich Neues zeigen. Über ein Jahr hat es nun keine wirklich großen Neuerungen gegeben. Anfang 2014 soll das nächste große Update für Windows Phones kommen. Hoffentlich hat Microsoft dann mehr in Petto als ein Notification Center und ein paar Tweaks.