Spätestens nach der E3-Keynote gerade sollte jedem klar sein, welche Strategie Microsoft mit seiner Konsole Xbox 360 mittlerweile verfolgt. Gaming ist nicht mehr der alleinige Grund, warum man sich eine Xbox 360 anschafft – zunehmend treten Multimedia-Angebote in den Vordergrund. Zusammen mit der Bewegungs- und Geräusch-Erkennung soll die Xbox 360 der zentrale Medien- und Entertainment-Hub im Wohnzimmer werden und vielleicht ist für Apple die Schlacht schon verloren, bevor sie überhaupt angefangen hat.
Eine verbesserte Spracherkennung erlaubt es, die Xbox künftig ohne Controller zu bedienen. Fast alle Steuerungen (außerhalb von Spielen) können auch mit natürlicher Sprache getätigt werden. Dazu fängt man einen Satz einfach mit dem Kontroll-Befehl „Xbox: …“ an. Im Gegensatz zu Siri am iPhone analysiert die Xbox zu jeder Zeit die Umgebungsgeräusche und ist nach dem Signalwort sofort bereit einen Befehl auszuführen. Bei einer Suche wird dabei nicht nur in lokalen Inhalten gestöbert, auch eine Suche in den Partner-Diensten wie Hulu oder Netflix kann so gestartet werden.
Ganze 35 neue Content-Partner bringen im kommenden Jahr frische Inhalte auf den Fernsehbildschirm. Diese gesellen sich zu dem bereits jetzt ausgezeichneten Medien-Katalog von Netflix, Hulu, der kompletten ESPN-Berichterstattung und vielen mehr. In Österreich, Deutschland und der Schweiz kommt bald das Angebot von SPORT1 dazu, was vor allem Sport-Fans freuen wird. Microsoft scharrt eine beträchtliche Anzahl Content-Provider um sich, die alle unzählige Stunden Videomaterial bereitstellen. In den USA ist es bereits so viel, dass man sich überlegen könnte, auf Kabelgebühren zu verzichten und die Inhalte nur mehr übers Netz zu beziehen.
Aber auch für Musikbegeisterte gibt es ein paar Neuigkeiten. Mit der Schließung des Zune-Dienstes ist die Xbox jetzt Microsofts primäres Entertainment-Netzwerk. Der Katalog von über 30 Millionen Songs wird in Zukunft unter der Marke Xbox Music zu finden sein. Genauere Details dazu werden noch folgen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen Streaming-Dienst handeln wird, der außerdem eine Radio-Funktion beinhaltet.
Kommen wir jetzt aber zum Killer-Feature. Das Unterhaltungs-Angebot von Microsoft soll in Zukunft nicht mehr auf der Xbox bleiben. Windows 8 und Windows Phone werden Teil von Microsofts Entertainment-Strategie. Das Musikangebot sowie die Video-Inhalte laufen zwar unter dem Xbox-Brand, werden aber auf allen Geräten abrufbar sein. Also sowohl auf Windows 8-Geräten als auch Windows Phones. SmartGlass, das unter anderem einen Dienst ähnlich Apples AirPlay anbietet, ist für die Verbindung der Devices zuständig. Auf den ersten Blick wird der Umfang und die Abgrenzung von SmartGlass zwar nicht genau klar, ich versuche es aber mal so wiederzugeben, wie ich es verstanden habe. Es handelt sich einerseits um die Möglichkeit, Videoinhalte vom Windows 8 Tablet und einem Windows Phone auf den Fernseher zu schicken, andererseits synchronisiert es die Abspielpositionen der Geräte untereinander und kann am jeweilig nicht benutzten Bildschirm Zusatzinfos anzeigen. Bei der Konferenz wurde auch eine iOS- und Android-Integration angedeutet, jedoch würde ich das noch nicht als bestätigt sehen, dies wurde mittlerweile bestätigt. Neben den Entertainment-Funktionen bietet SmartGlass auch eine Möglichkeit für Entwickler, Tablets und Smartphones als Controller und Zusatzbildschirm für Spiele einzusetzen. Ein direkter Angriff auf Nintendos Wii U-Konzept, das mit seinem Tablet-Controller ähnliche Möglichkeiten bietet.
Zu guter letzt sei noch die Portierung vom Internet Explorer auf die Xbox 360 erwähnt. Der Browser soll das Internet auf den Fernseher bringen. Als Steuerung dient entweder die eigene Stimme oder ein Smartphone mit Windows Phone bzw. Tablet mit Windows 8 Betriebssystem.
Insgesamt eine äußerst spannende Pressekonferenz von Microsoft, die natürlich auch viel Spielematerial geboten hat – aber dafür gibt es genügend andere Quellen, die darüber ausführlicher berichten. Ich wollte vor allem die Vorherrschaft von Microsoft im Wohnzimmer thematisieren, die schön langsam riesengroße Ausmaße annimmt. Auch für eine Firma wie Apple wird es ein großes Stück Arbeit, dieses Angebot zu überbieten. Microsoft hat seine Assets in den letzten Jahren wahnsinnig gut in Stellung gebracht und ist für alles bereit, was Google und Apple in dieser Richtung vorstellen. Beachtlich ist auch, dass Microsoft es geschafft hat, auf allen seinen Plattformen und Betriebssystemen eine einheitliche Oberfläche zu schaffen. Eine Metro UI ähnliche Oberfläche ist fast überall zu finden und ich muss zugeben, das ergibt alles zusammen ein sehr sehr stimmiges Bild.



