Obwohl Google mit seinem Android-Betriebssystem Kooperationen mit vielen unterschiedlichen Smartphone-Herstellern anstrebt, gibt es doch eine Reihe von Geräten, die direkt von Google herausgebracht werden. In Zusammenarbeit mit jeweils einem Hardware-Partner wird Saison für Saison ein Flaggschiff-Produkt entwickelt, das als Referenz-Produkt angesehen werden kann und die neuen Features der Plattform präsentiert. In den letzten Jahren wurde die Nexus-Reihe bei Android-Fans genau deswegen so beliebt, weil die verwendete Betriebssystem-Version ohne jegliche Veränderungen seitens des Hardware-Herstellers auskommt. Keine andere Oberfläche, keine vorinstallierten „Müll“-Apps und schnell verfügbare Updates, die direkt ohne Umwege von Google ausgeliefert werden. Während die vergangenen Nexus-Geräte aus dem Hause Samsung waren, hat Google dieses Jahr den Hersteller gewechselt und LG als Partner für das neue Nexus-Gerät gewählt. Herausgekommen ist das Nexus 4, das ich im folgenden Test genauer vorstellen werde.
Hardware
Google preist das Nexus 4 als Highend-Gerät mit einem Mid-Range Preis an. Das Smartphone kostet in der Tat nur 300 Euro in der 8 GB-Variante und 350 Euro in der 16 GB-Variante. Aber auch den zweiten Teil der Aussage hat Google eingehalten. Technisch präsentiert sich das Nexus 4 als wahres Highend Gerät. Eine 1,5 GHz Quad-Core Qualcomm Snapdragon S4 Pro CPU zusammen mit 2 GB Arbeitsspeicher sorgen für eine super Rechenpower. Was diesbezüglich negativ auffällt: Das Smartphone wird relativ schnell spürbar warm, wenn man intensiver damit arbeitet. Das kommt aber leider bei vielen fast allen Konkurrenz-Modellen in letzter Zeit vor. Ansonsten hat man bei den Hardware-Features nicht gespart und die üblichen Bestandteile wie NFC, GPS, Gyroskop sowie einen Kompass integriert. Lediglich LTE vermisst man auf der Featureliste. Gerade jetzt wo die neue Mobilfunktechnologie endlich nach Österreich kommt wäre Support für den Datenturbo erfreulich. Der 2100 mAh-Akku ist ausreichend dimensioniert, spielt aber nicht in der Top-Liga mit. Man kommt aber mit normalen Einstellungen locker durch den Tag.
Nexus 4 ist eindeutig das bisher schönste und hochwertigste Gerät in der Nexus-Reihe.
Nimmt man das Nexus 4 das erste Mal aus der Verpackung sticht sofort ein äußerst schönes Design ins Auge. Keine verspielten Formen oder billigen Materialien sondern klare Linien und viel Glas prägen das Äußere. Während die Musterung auf der Rückseite auf den Pressefotos aus irgendeinem Grund weit übertrieben wurde, ist diese in der Realität eher dezent und fällt nur im richtigen Licht und Blickwinkel auf. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum diese auf den offiziellen Fotos derart übertrieben dargestellt wird. Für mich wäre ein solches Muster bei dem sonst gut aussehenden Smartphone nämlich ein No-Go. Zum Glück wirkt es in der Realität ganz anders und ist sehr dezent. Die Rückseite ist übrigens komplett aus Glas. Witzig, dass die iPhone 4/4S-Hater von damals dies jetzt scheinbar nicht mehr schlimm finden. Für mich steht fest: Das Nexus 4 ist eindeutig das bisher schönste und hochwertigste Gerät in der Nexus-Reihe.
Das Display nimmt einen Großteil der Fläche auf der Vorderseite ein. Es handelt sich dabei um ein 4,7 Zoll IPS TrueHD+ Display mit einer Auflösung von 1280 x 768 Pixeln, was einer hohen Pixeldichte von 320 ppi entspricht. Auch im Freien bei Sonnenschein, der zugegeben im Testzeitraum eher rar war, hat man den Bildschirminhalt noch gut erkennen können. Was sehr positiv aufgefallen ist, ist der hohe Blickwinkel und der geringe Abstand zwischen Glas und Display. Von der Seite sieht es fast so aus, als wäre das Display direkt im oder nur knapp hinter dem Glas. Ein großes Display geht zwingend mit großen Abmessungen einher. Das Nexus 4 ist sogar ganze 4 Millimeter länger als das Lumia 920 von Nokia. Es ist jedoch dünner und leichter als das Nokia-Pendant, wodurch es insgesamt angenehmer in der Hand liegt.
Der zweite technische Schwachpunkt neben dem nicht vorhandenen LTE ist die 8 Megapixel Kamera. Diese ist vor allem in schlechten Lichtverhältnissen deutlich hinter der Konkurrenz. Zu oft bekommt man verwackelte Fotos oder viel zu dunkle Bilder. Aber auch bei mittleren Lichtverhältnissen bleibt sie hinter anderen Modellen zurück. Lediglich bei Sonnenschein kann man wirklich gute Ergebnisse erzielen. Fotographie-Enthusiasten werden außerdem einen physischen Button zum Abdrücken vermissen. Wer also viele Fotos macht und auf gute Bilder in allen Situationen wert legt sollte besser zur Konkurrenz greifen.
Hier drei Vergleichsbilder jeweils vom Nexus 4 und dem Lumia 920. Zwei komplett bei Nacht, eines bei Dämmerung.
Software
Die neueste Android-Version, die derzeit für das Nexus 4 erhältlich ist, trägt die Versionsnummer 4.2.2. Ich muss ehrlich zugeben, dass das Nexus 4 erstaunlich gut mit dem Android Betriebssystem zurecht kommt. Der starken Hardware ist es zu verdanken, dass Ruckel-Einlagen, wie sie bei früheren Modellen auf der Tagesordnung waren, selten vorkommen. Listen lassen sich flüssig scrollen und Touchscreen-Eingaben werden zügig bearbeitet. Google setzt auf dunklere Grundtöne mit einigen Farbvariationen, die auf dem gestochen scharfen Display des Nexus 4 wirklich gut aussehen. Das stimmige Design des Hauptmenüs sowie einigen System-Apps zieht sich jedoch nicht durch die gesamte App-Palette durch, weswegen schnell der Eindruck von einer zerstückelten User Experience entsteht. Die Kontakte-App ist beispielsweise komplett in weiß mit einem Twitter-ähnlichen blau gestaltet und sticht aus dem dunkleren Design wahrlich heraus.
Wer am Desktop viel Zeit in Googles Diensten verbringt und seine Daten in Services wie GMail, Google Calender oder Google Plus verwaltet, wird mit Android eine wahre Freude haben. Das Betriebssystem (bzw. dessen Apps) ist/sind perfekt ins Google Universum integriert. Meldet man sich einmal mit seinem Google Konto an, wird automatisch die Verbindung hergestellt und alle Dienste mit dem Smartphone vernetzt. So können nach Zustimmung auch alle Fotos automatisch bei Google Plus hochgeladen werden. Auch Google Chrome wird direkt vom Desktop synchronisiert. Eingegebene Passwörter, geöffnete Tabs und besuchte Seiten sind hier nur ein kleiner Auszug. Diese Synchronisation ist schon äußerst praktisch, auch wenn Google natürlich immer mehr von unserem Leben erfährt. So ist es schon ein wenig creepy, wenn man am Desktop-Chrome nach einer Location in Google Maps sucht, anschließend das Haus verlässt und sich Google Now wie von Zauberhand mit der Routenplanung am Smartphone meldet.
Im Gegensatz zu Windows Phone hat Android natürlich den Vorteil, dass man einen randvollen App Store mit einer scheinbar unlimitierten App-Auswahl zur Verfügung hat. Google hat auch keinen strengen Review-Prozess wie Apple, wodurch man einige wirklich coole Apps herunterladen kann, die bei iOS nicht möglich sind. Außerdem lassen sich dank der offenen Philosophie von Android viele Komponenten des Betriebssystems durch Drittanbieter-Software ersetzen. Dem gegenüber stehen wiederum Berichte, wonach 79 % der Schädlinge für mobile Systeme speziell auf Android ausgelegt sind. Bei iOS sind das nur 0,7%. Mehr Offenheit muss der User also auf irgendeine Weise „bezahlen“. Wer jedoch nur seriöse Apps von offiziellen Quellen installiert und auch sonst seinen digitalen Hausverstand benutzt sollte auch mit Android auf der sicheren Seite sein.
Fazit
Das Nexus 4 sollte wegen seinem günstigen Preis und der starken Hardware das Gerät der Wahl sein, wenn man ein Smartphone mit Googles Android-Betriebssystem kaufen will. Dank dem Stock-Android ohne Anpassung seitens des Hardware-Herstellers oder des Mobilfunk-Providers kommen Updates immer schnell und zeitnah auf das Gerät kommen. Wer gerne Fotos schießt und mit dem Handy seine Point-And-Shoot-Kamera ersetzen will sollte jedoch ein anderes Smartphone in Betracht ziehen. Das Lumia 920 oder das iPhone 5 bieten in diesem Bereich einiges mehr.

Disclaimer: Danke an LG Österreich für die Zurverfügungstellung des Testgeräts.









