Mit dem Nexus 4 ist LG im letzten Halbjahr ein wirklich grandioses Android-Handy gelungen. Nicht nur, weil es als Top-Modell der Google Nexus-Reihe natürlich die volle Konzentration des Suchmaschinen-Konzerns bekommt, sondern auch, weil es technisch und preislich ein super Gerät ist. LG hat sich nun entschieden auf Basis des Nexus 4 ein zweites Gerät unter eigenem Branding ein leicht verbessertes herauszubringen. Meine zwei Kritikpunkte vom Nexus 4-Test scheint man sich zu Herzen genommen zu haben: Statt dem HSDPA-Modul kommt nun ein ultraschnelles LTE-Pendant zum Einsatz und auch die Kamera wurde verbessert.

Hardware
LG versucht schon seit geraumer Zeit beim Design auf die Luxus- und Premium-Linie zu setzen und das eigene Branding in den Hintergrund zu stellen. Das gelang schon bei den letzten Modellen (Prada Phone oder Nexus 4) wirklich gut. Auch das Optiums G ist da keine Ausnahme. Schon die Verpackung wirkt sehr hochwertig und edel. Ein großes „G“ prangt auf der weißen Vorderseite und lässt etwas hochwertiges im Inneren erwarten. Das Gerät selbst wirkt ebenfalls äußerst wertig. Wie beim Nexus 4 ist sowohl die Vorder- als auch die Rückseite verglast. Lediglich die Kamera und der seitliche Rahmen sind hier die Ausnahme. Ebenfalls vom Nexus 4 wurde eine sehr ähnliche, wenn auch dezenter wirkende, Textur auf der Rückseite übernommen.
Ansonsten hat das Optimus G ganz die selben inneren Werte wie das Nexus 4. Technisch kommt wieder eine 1,5 GHz Quad-Core Qualcomm Snapdragon S4 Pro CPU zusammen mit 2 GB Arbeitsspeicher zum Einsatz. Diese Rechenpower ist auch dringend notwendig, denn sie sorgt dafür, dass Android ohne Ruckler und komplett flüssig läuft. Ich freue mich, dass wir schön langsam die Rechenpower erreicht haben, dass Android auch flüssig nutzbar wird. Auch die üblichen Features wie NFC, GPS, Gyroskop sowie einen Kompass gibt es im Optimus G. Wie oben schon angeteasert, besitzt es im Gegensatz zum Nexus 4 einen LTE-Empfänger, der unterwegs für einen gehörigen Datenturbo sorgt. Natürlich benötigt man dafür aber einen LTE-Vertrag oder ein passendes Zusatzpaket bei seinem Netzbetreiber.
Auch beim Display verwendet LG genau die gleichen Komponenten wie beim Nexus 4. Es kommt ein 4,7 Zoll IPS TrueHD+ Display mit einer Auflösung von 1280 x 768 Pixeln zum Einsatz, was einer hohen Pixeldichte von 320 ppi entspricht. Zwar gibt es schon ein paar Hersteller, die auf 1080p-Displays setzen, der Praxis-Vorteil ist aber eher gering. Durch einen hohen Kontrast kann man den Bildschirminhalt selbst bei Sonnenschein noch einigermaßen gut erkennen. Was ebenfalls sehr positiv auffällt, ist der hohe Blickwinkel und der geringe Abstand zwischen Glas und Display. Ein Unterschied zum Nexus 4 ist, dass LG hier wieder Soft-Keys am unteren Bildschirmrand hinzugefügt hat, die die Onscreen-Keys ersetzen. Dadurch spart man Displayplatz, jedoch schaltet sich die Beleuchtung der Tasten relativ schnell wieder aus und sind nicht wie bei anderen Smartphones während der Benutzung durchgehend aktiviert.. Das führt dazu, dass man öfters „im dunkeln“ tappt und die Tasten nicht findet.
Die Kamera wurde von 8 MP auf 13 MP aufgebohrt. Zwar sagt die reine Megapixel-Zahl nichts über die Qualität der Fotos aus, aber im Test konnte sich das Optimus G viel besser behaupten als das Nexus 4. Zwar gibt es noch immer große Probleme im Low Light-Bereich, diese sind entweder zu dunkel oder verwackelt, sie sind aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie beim Vorgänger. Durch ein paar Software-Spielereien kann man den Auslöser nicht nur beim Lächeln selbstständig auslösen lassen sondern sogar via Sprache steuern. Durch das „Cheese Shot“ getaufte Feature kann das Gerät mit bestimmten Kommandos ferngesteuert werden. Leider sucht man einen dezidierten Kamera-Button vergeblich, was spontane Schnappschüsse schwieriger macht.
Software
Während LG beim Nexus 4 ein normales Android Betriebssystem in der Version 4.2.2 von Google verwendet, bekommt man das Optimus G derzeit mit Android 4.1.2 samt eigener Oberfläche. Sehr schade, dass hier eine ältere Version verwendet wird. Auch die LG-eigene Oberfläche kann nicht 100% überzeugen. Die grafischen Effekte finde ich teilweise zu übertrieben und mit zu viel Eye-Candy versehen. Ich verstehe zwar, dass sich die Android-Hersteller gegenüber ihrer Konkurrenz absetzen wollen, jedoch plädiere ich für weniger Anpassung gegenüber dem Stock-Android und dafür mit schnelleren und häufigeren Updates.
Neben dem normalen Android bekommt man durch die Anpassungen noch einige kleine Software-Erweiterungen. Dazu zählt zum Beispiel Q-Slide mit dem man kleine Widget-artige Apps über andere Apps legen kann. So kann zum Beispiel während man im Browser surft, schnell der Taschenrechner benutzt oder eine Notiz geschrieben werden, während man die Browser-Informationen noch im Hintergrund sieht. Was außerdem dazu gekommen ist, ist eine Gesichtserkennung, die sich optional aufschalten lässt und den Standby-Zustand verhindern soll wenn man gerade auf das Display schaut. Dies funktionierte bei mir im Test nicht immer, aber doch ein paar mal. Natürlich braucht man für die Funktion eine helle, aber wiederum nicht zu helle Umgebung. Da die Funktion mit normaler Gesichtserkennung funktioniert, kann sie natürlich von Brillen oder Haaren beeinträchtigt werden.
Fazit
Das Optimus G von LG führt die Stärken des Nexus 4 konsequent auf den nächsten Level weiter. Die größten Mankos, wie die Kamera und das Fehlen eines LTE-Moduls, wurden ausgebessert. Dafür bekommt man eine nicht ganz aktuelle Android-Version und verspielte Software-Anpassungen. Bei Geizhals ist das Smartphone derzeit um ca. 450 Euro unlocked zu haben, das Nexus 4 ist um knapp 100 Euro billiger. Mit dem verbauten Akku kommt man bei normaler Nutzung locker durch den Tag. Dies hat man einer effizienten Energienutzung zu verdanken, die man mit einem optionalen Energiesparmodus bei Bedarf sogar noch sparsamer machen kann.






